59

aus  Frankreichs  unverständigem  Religionseifer  zog,  und  daß
endlich  kein  preußischer  Unterthan  mit  eben  der  ungehinderten
  Freiheit  hinwegziehen  darf,  welche  der  wirkembergische
Unterthan  genießt.  Es  ist  wahr,  auch  Wirtemberg  hat  in
diesem  Zeitraum  von  Frankreichs  und  Salzburgs  entvölkerndem
  Religionseifer  keinen  unbeträchtlichen  Nutzen  gezogen,  aber
es  hat  theils  bei  weitem  nicht  den  Nutzen  gezogen,  den  Preußen
zog,  oder  den  es  härte  haben  können,  theils  ist  auch  dieser
Nutzen  durch  die  großen  Emigrationen  sehr  geschwächt  worden,
  die  auch  aus  Wirtemberg  nach  Amerika  geschahen.  Also
es  ist  nicht  Benutzung  eines  äußern  Zufalls,  sondern  es  ist
eigenklich  Entwicklung  seiner  innern  Stärke,  es  ist  Vortheil
seines  trefflichen  Bodens  und  Klima,  seiner  glücklichen  Staatsverfassung,
  seiner  noch  nicht  so  allgemein  verdorbenen  Sitten,
daß  die  Bebölkerung  desselben  so  schnell  und  so  dauerhast  sich
vermehrte.

Schon  Herr  Sattler  hat  im  siebenten  Theil  seiner  wirtembergischen
  Geschichte  *)  eine  Verechnung,  aus  welcher  sich
auf  den  Vorzug  der  gegenwärtigen  Bevölkerung  vor  derjeuigen,
  welche  zu  Anfang  des  dreißigjährigen  Kriegs  war,  mit
einiger  Wahrscheinlichkeit  schließen  läßt.  Er  bemerkt,  dast
man  im  Jahre  1651  zu  Stuttgart  8327  Seelen  gezählt
habe;  also  ungefähr  die  Hälfte  von  der  gegenwärtigen  Anzahl.
  Nun  ist  aber  der  Schluß  nicht  vollkommen  richtig,
daß  wenn  sich  die  Anzahl  der  Seclen  einer  großen  Stadt  so
sehr  vermehrt  habe,  daß  die  Anzabl  der  Seelen  des  ganzen
Landes,  wo  nicht  in  gleich  beträchtlichem  Verhältniß,  wenigstens
  doch  um  ein  Großes  gewachsen  sey.  Gerade  die  vermehrte
Anzahl  der  Stadteinwohner  koͤnnte  eine  Urfache  der  verminderten
  Menge  der  Landleute  seyn,  kumte  eine  Ursache  der

*)  S.  57.