96

politischen  Sprache  haben  will,  deutlich  und  dunkel,  klar  und
doch  unbesiimmt.

Es  ist  hicht  Besoldisch,  so  zu  sprechen,  so  sehr  auch
Besold  dieses  Datum  halbverstellt  und  halbwahr  in  seine
rechtlich-historische  Betrugsrechnung  hineinnahm,  5)  es  ist  kein

5)  Christoph  Befölb  war  seit  i610  Professor  der  Rechte  in
Tübingen,  ward  4V33  nach  der  Närdlinger  Schlacht,  da  Wirtemberg
  ganz  von  den  Kaiserlichen  besetzt  wurde,  katholisch,  erhielt.
  auf  eine  kurze  Zeit  die  Stelle  eines  östreichischen  Regimentsrathes,
  bis  er  nach  Ingolstadt  als  Professor  der  Rechte
kam,  wo  er  auch  1638  starb.

Die  Geschichte  der  wirtembergischen  Klöster  und  ihr  Verhaͤltniß
  zu  dem  ganzen  Fürstenthum  war  dem  Manne  noch  von
alten  Zeiten  her  wohl  bekannt,  denn  er  hatte  ehedem  dem
Herzoge  selbst  in  dieser  Sache  gearbeitet,  daher  war  es  ihm
so  viel  leichter,  sich  sogleich  bei  seiner  neuen  Partie  durch  Ausführung
  einer  wichtigen  historisch-publicistischen  Arbeit  zu  empfehlen,
  die  keinen  geringeren  Zweck  hatte,  als  den  Herzog  von
Wirtemberg  wenigstens  um  den  vierten  Theil.  seines  Landes
zü  bringen.  Er  sammelte  ein  paar  Quartbände  wirtembergische
Kloster-Urkunden  aus  dem  Archive,  und  edirte  eine  eigené,  auf
diese  Urkunden  ssch  beziehende  Ausführung,  die  theils  zeigen
sollte,  daß  Wirtemberg  nie  ein  Recht  gehabt  habe,  diese  Klöster
zu  reformiren,  theils  auch  beweisen,  daß  diese  Klöster  nicht
landsäßig,  sondern  unmittelbare  Reichsklöster  sepen,  die  bloß  in
gewissen  Schutz=  und  Advokaten-Verhältnissen  mit  den  Grafen
und  Herzogen  von  Wirtemberg  stünden.

Von  Allem,  was  Besold  sonst  geschrieben,  ist  dieser
Prodromus  vindiciarum  so  bei  weitem  das  Beste,  Geordnetste,
Scharfunnigste;  daß  ich  schon  oft  auf  die  Gedanken  gerieth,  er
müsse  bei  diesem  Werke  Hülfe  gehabt  haben.  Man  hat  ihn

nachher  beschuldigt,  er  habe  die  Urkunden  verfälscht,  und  noch
Kanzler  Ludwig,  Reliq.  Mst.  Praes.  Tomil.  p.  54,  deutet  dahin;
je  mehr  sich  aber  wirtembergische  Geschichte  und  Diplomatik
aufklärt,  desto  weniger  hat  noch  irgend  eine  sichere  Spur  dieses
  Verdachts  gezeigt  werden  können.  Man  hat  Besolden  beschuldigt,
  er  habe  die  Urkunden  aus  dem  Archive  gestohlen,