114

pathie  gab;  bis  wohl  zuletzt  einmal  alle  drei  Korps,  das
Korps  der  Praͤlaten,  das  Korps  der  Ritterschaft  und  dieses
große  Korps  von  Devutirten  der  Kammerunterthauen  als
Glieder  eines  Leibes  zusammenwuchsen;  bis  dieses  und  jenes
war,  bis  bald  Hoffnungen  eimrafen,  bald  Befürchtungen  sich
boben,  bis  auf  dem  langen  Wege  aller  dieser  Hoffnungen
nichts  dazwischen  kam,  nie  ein  junger  despotischer  Prinz  dazwischen
  kam,  bis  dieses  zarte  Kind,  das  kaum  geboren  war,
unter  allen  gewöhnlichen  Kinder=  und  Knabengefahren  allmählich
  zum  Knaben  und  Manne  ward:  —  das  schien  noch  eine
lange,  furchtbar  lange  Zeit;  wer  mochte  schon  hoffen,  daß
das  neugeborne  Kind  zu  Mannesjahren  kommen  werde  7")
Doch  die  schönste  Hoffnung  gab,  daß,  ehe  einige  Jahre
verflossen,  allmählich  schon  durch  Herkommen  bestimmt  war,
wer  und  wie  viele  dieses  neu  entstandenen  Korps  gerufen  werden
  müßten,  wenn  nebst  Prälaten  und  Rittern  auch  das  dritte
Korps  gerufen  werden  sollte.  ?5)  Schon  war's  große  Hoffnung
  einer  bald  vollendeteren  Eristenz  dieses  dritten  Korps,
wenn  allmählich  schon  Ausschüsse  sich  bildeten,  die  ganze

*)  Auch  die  Unterpfalz  hat  einen  bis  zu  dieser  zarken  Kindheit
hinreichenden  Anfang  von  Landständen  gehabt;  aber  dort  erstarb
der  schöne  Anfang  bald  wieder,  v.  Tritbemil  Chron.  Sponheim.
p·  423,  wo  Abt  Johann  erzählt,  daß  Kurfürst  Philipp  1505  zu
Heidelberg  einen  großen  Konvent  von  Prälaten,  Rittern  und
Städte-Deputirten  gehalten.

0S.  Stuttgarter  Vertrag,  22.  April  1485.  Sattl.  Thl.  Ul.
Beil.  S.  140.

Doch  so  sollen  wir  Graf  Eberhard  der  ältere  nichts  merkliches

  —  von  dem  Lande  hinweggeben  oder  verkaufen,  dann

mit  Rath  der  unsern  aus  unsern  Prälaren,  Rirterschaft

und  Landschaft  mit  der  ungefährlichen  Anzahl,

wie  die  vormals  in  solchen  oder  dergleichen

Haͤndeln  berufen  worden.  ·  -