124

Petri  von  Baknang  wurde  vorzuͤglich  gefragt,  der  Kammermeister
  Konrad  Thumb  von  Neuburg  ward  noch
angesehener  als  vorher,  kein  spitzfindiger  Publicist  erregte  die
Frage  von  rechtmaͤßiger  Fortdauer  der  neu  hergekommenen  landständischen
  Sitte,  und  am  allerwenigsten  fiel  der  junge  Herzog
auf  Fragen  dieser  Art.

Er  zog  auf  Reichstage  und  Turniere,  er  ritt  und  jagte
und  kriegte  gegen  Kurpfalz,  sein  Hof  war  prächtiger,  als  irgend
eines  Fürsten  Hof,  seine  Jagdhunde  schöner,  als  sie  irgend  ein
Kurfürsi  hatte,  sein  Marstall  so  zahlreich,  daß  sich  der  Kaiser
hätte  wundern  müssen.  Wenn  ihm  seine  Gemahlin  Sabina,
hoffärtigen  und  zänkischen  Gemuͤths,  Kummer  machte,  den
vergaß  er  bei  der  schönen  Tochter  seines  Kammermeisters,  und
falls  ihm  vollends  zu  Hause  die  Welt  ganz  zu  enge  wurde,
so  ging  er  dem  Kaiser  zu  Gefallen  gegen  den  Franzosen  zu
Felde,  besuchte  in  der  Nähe  oder  Ferne  lustige  Fürstentage.
ESo  lange  ihm  das  Landtagen  nicht  beschwerlich  fiel,  mochten
bei  jeder  neuen  Steuer  neue  Landrage  gehalten  werden,  wenn
nur  kein  Prälat  säumte,  seine  verwilligte  Quote  abzutragen,
wenn  Stadt  und  Gericht  pünkklich  bezahlten;  von  dem  Ritter
verlangte  der  Herzog  ohnedieß  keine  Beiträge,  denn  dieser:
mußte  selbst  auch  mitziehen,  wenn  der  Kaiser  nach  Rom  zur
Kroͤnung  begleitet  werden  sollte,  wenn  ein  Feldzug  gegen  die
Frangosen  zu  machen  war.

Vertrockneten  auch  allmählich  die  Quellen  der  Einnahme,
konnten  nicht  leicht  neue  große  Summen  geborgt  werden,  für
die  sich  ganze  Kammerämter  verschreiben  mußten,  so  erlaubte
der  Kaiser  einen  Weinzoll,  und  wenn  der  Kaiser  einen  neuen
Weinzoll  erlaubte,  wer  wollte  erst  noch  selbst  auch  Prälaten
und  Ritter  fragen,  die  soust  gewöhnlich  um  Alles,  was  sie
über  alt  Herkommen  thun  sollten,  freundlichst  gebeten  werden
  mußten?