IX.

Ueber  Ehristoph  Besold's  Religionsveränderung.)


Vor  170  Jahren  lebte  zu  Tübingen  ein  großer  Rechtsgelehrter,
  Christopb  Besold,  ein  Mann  von  ausgebreiteter
  Gelehrsamkeit,  unsträflichstem  Charakter  und  allgemeinem
guten  Rufe.  Sein  frommes,  ruhmvolles  Leben  krönte  endlich
  die  schändlichste  Apostasie,  den  zwanzigjäbrigen  treuen
Dienst  für  Fürst  und  Vaterland  endigte  die  elendesse  Verräthers-Bosheit.
  Der  redlichste  Mann,  an  dessen  Redlichkeir  die
vertrautesten  Freunde  und  Kenner  seines  Lebens  vorher  zwanzig
  Jahre  lang  nie  gezweiselt  hatten,““)  schien  wie  verwan-*)

  Aus  K.  F.  v.  Moser's  patriotischem  Archiv.  Band  VIII.
S.  453  —  472.  «
-««·)DießekhelltausdemwasJoh.ValentinAndreäinseiner
  Biographie  von  Besold's  Falle  bemerkt,  s.  Wirtemberg.
Repertorium,  Band  I.  S.  545,  und  noch  mehr  aus  dem  Zeugniß
  von  Dr.  Wagner  in  Eraminc  elenchtico  Atheismi  speculaliri.
  Tubingae  1677.  4.  p.  83.  Legterer  vergaß  gewiß  nicht,
was  gegen  Besold  bemerkt  zu  werden  verdiente.

Das  ganze  Leben  von  Besold  erzählt,  seiner  Art  nach,
Jugler  in  seinen  bekannten  Biographien,  Band  l.  Jugler
hat  aber  nicht  einmal  das  vollständig  benugzt,  was  sich  in  Arn.
Naths  Luctos  Academine  Ingolstad.  und  in  des  Varon  von
Sprinzenstein  Nachrichten  von  Besold's  leßten  Tagen  und
Stunden  erzählt  sindet.