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Zucht  und  Ehrbarkeit  war  verschwunden;  der  Herzog  hielt  erklärte
  Mätressen,  und  Hofskandale,  die  unser  Zeitalter  mit  sei,
ner  gewöhnlichen  moralischen  Apathie  sieht,  fingen  damals
zuerst  an,  herrschend  zu  werden.  ?)  Es  war  eine  wollüstige,
geldgierige,  despotische  Generation,  und  selbst  auch  der  regierende
  Herzog,  so  ein  kluger,  hochverständiger  Herr  er  war,
batte  einen  Kreislauf  von  Verwirrung  und  Unmoralität  durchgemacht,
  aus  dem  er  selbst  noch  nach  seinem  fünfzigsten  Jahre
mit  alter  Sünder  Langsamkeit  kaum  herauskommen  konnte.

Kaum  sehnte  sich  in  solchen  Zeiten  der  fromme  junge
Besold  nach  einem  öffentlichen  Amte.  Schon  hatre  er  32
Fahre  zurückgelegt,  und  noch  kein  öffentliches  Amt  erhalten.  79)
Schon  hatte  mancher  Jüngere  vor  ihm  mit  Geld  und  mit
Gunst  durch  Dr.  Makthäus  Enzlin  sein  Glück  in  S#tuttgart
  gemacht,  und  des  sähigeren,  stilleren  Besold  erinnerte
sich  Niemand.  Schon  war  Plebst,  der  doch  kaum  ein  Jahr
älter  als  er  war,  und  an  Gelehrsamkeit  ihm  nicht  gleich  kam,

»)  In  ein  paar  wirtembergischen  Chroniken,  die  sich  unter  den
Handschriften  der  wolfenbüttelischen  Bibliothek  befinden,  und
welche  beide  von  einem  Zeitgenossen  herrühren,  sind  weitläufige
Beschreibungen,  was  deßhalb  für  Haussuchungen  und  Resormen
nach  Herzog  Friedrichs  Tode  vorgenommen  werden  mußten.
Gleich  nach  des  Herzogs  Tode  wurde  zu  Urach  eine  gemisse
Madame  Dräser  eingezogen;  sie  war  Mätresse  des  Herzogs.  Im
Schlosse  zu  Tübingen  fand  sich  eine  gewisse  Frau  Lichtkammerin,
  hinter  der  man  sehr  feltsame  Sachen  fand.  Der  damalige
Stiftsprediger  zu  Stuttgart  wurde.  auf  die  Superintendentur
Laufen  removirt,  weil  er  gegen  Frau  und  Tochter  noch  nachsichtiger
  war,  als  Eli  war.

**)  S.  Besold's  Brief  an  Keppler.  Keppleri  Epist.  p.  275.  Meas
ducd  attinet  conditiones,  prirata  hucusque  vita  contentus  latco,
poublicaque  atlingere,  malignitate  morum  hisce  in  locis  mirum
in  modum  groassante  deterritus,  theologicis  et  politico-historicis
  meditarionibus  immersus  sum.