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zu  Tübingen  herzlich  vertraut  mit  Besold  wurde,)  auch  Andrei
  hatte  damals  fast  ungefähr  eben  die  Sehart,  wie  sein
Freund  Besold,  eben  die  reizbarste  Empfindung  aller  geheimen
und  offenen  Schäden  seines  Zeitalters,  eben  den  kühnen  Apokalyptenblick
  in  die  Zukunft.  Aber  was  doch  für  ein  Unterschied
  zugleich  war  zwischen  Geisteskräften  des  Einen  und  des
Andern!  wie  natürliche  höhere  Geistes-Elasticität  den  trefflichen
jungen  Andreä  rettete,  ob  er  sich  schon  auf  eben  demselben
Abwege  mit  Besold  besand!  Was  manmnichfaltige  Reisen  und
frübere  Verflechtung  in  Amtsgeschäfte,  was  frühere  Hausleiden
und  frühere  Hausfreuden,  was  muthvollere  Offenheit  des  Charakters,
  stärkerer  Pröfungsblick  und  praktischere  Gewandtheit
zur  rektificirteren  Bildung  des  mit  Besold  ähnlich  empfindenden
und  ähnlich  denkenden  jungen  Andreä  beitrugen!  Wo  Besold
wimmerte  und  klagte,  da  suchte  Andreä  mächtig  entgegen  zu
wirken.  Was  Besold  in  sich  selbst  hinein  preßte,  wovon  er
kaum  im  Cirkel  vertrauterer  Freunde  sprach,  wo  er  nach  der
gewöhnlichen  Unstetigkeit  tief  empfindender  und  doch  schüchterner
  Menschen  bald  einen  Stoß  in's  Publikum  that,  bald  ine
ängstliche  Stillschweigen  sich  einbüllte,  da  hat  Andreaͤ  laut
und  unaushörlich  in  gedruckten  Schriften  aller  Welt  verkündet.
  Wie  Besold  seiner  Welt  schnell  müde  war,  und,  einer
Welt  überdrüssig,  die  er  nie  bessern  könnte,  sich  immer  mehr
in  sich  selbst  verschloß,  so  versuchte  der  unermüdete  Andreäá
nach  zehn  mißlungenen  Reformations=  Projekten  zehn  neue,
gleich  tief  greisende  Emwürfe,  und,  so  viel  er  auch  Leiden  von
Stiftung  seiner  ersten  trefflich  gemeinten  Anstalten  hatte,  7#)

*)  Vir  supra  omnes  mortales  de  me  praeclare  meritus.  So  Joh.
Val.  Andreiä  von  Besold.  Vergl.  auch  Wirtemb.  *n-Rd.
  1.  S.  281.

#)  Wirtemb.  Repertor.  Bd.  I.  S.  296  u.  f.  w.