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er  ermuͤdete  nicht,  er  war  ein  Kopf  zu  Entwuͤrfen  und  Anstalten;
  er  war  als  fünfzigjähriger  Mann,  so  sehr  er  auch
über  Abnahme  seiner  Kräfte  klagte,  eben  der  starke,  muthvolle
Reformator,  der  er  in  den  Jahren  seiner  blühendsten  Jugendkräfte
  sich  gezeigt  hatte.

.Besold's  Geistesform  war  schon  entschieden,  da  er  endlich
1610  nach  Johann  Valentin  Neuffer's  Tode  Moofessor  der
Rechte  zu  Tübingen  wurde.  Wos  ihm  Muße  übrig  blieb
von  Kollegien,  Disputationen  und  Fakultätsarbeiten,  das  verwandte
  er  auf  Lesung  theosopbischer  und  apokalyprisch-prophetischer
  Schriften;  was  er  selbst  auch  mit  theilnehmendstem
Wohlgefallen  schrieb,  waren  ähnliche  Schriften  dieser  Art.  So
sebr  er  von  manchem,  selbst  herrschenden,  Aberglauben  seines
Zeitalters  frei  war,?)  so  emsig  er  in  seinem  Berufe  sich  bewies,
  sein  Herz  hing  an  Rosenkreuzern  und  Bruͤderschaften
dieser  Art;  er  suchte  und  fand  nie;  er  warf  sich  mit  einer  Unsietigkeit
  und  Neugier,  die  selbst  durch  jeden  mißlungenen
Versuch  wuchs,  von  einem  neuen  Versuche  zum  andern,  zu
klug,  um  ganz  getäuscht  werden  zu  können,  zu  schwach,  um
endlich  aufzuhdren  mit  Versuchen.

Daß  er  wohl  endlich  einmal  aus  diesem  Wirbel  herauskommen
  werde,  war  gewiß  vorher  zu  sehen,  daß  ein  Mann
seines  ehrlichen  Sinnes,  seines  gesunden,  natürlichen  Versiandes
  und  seiner  ausgebreireten  Gelehrsamkeit  unmdglich  in  diesem
  Zustande  verharren  könne,  war  gewiß  vorher  zu  sagen;
aber  in  welche  neue  Irrwege,  sobald  er  diesem  Wirbel  entronnen,
  er  bineinlenken  oder  hineinrennen  werde,  ob  ihn  die  Krise
seines  Geistes  zur  völligen  Gesundbeit  oder  zu  einer  andern
Art  Krankheit  führen  müsse,  dieß  hätte  ihm  ein  Freund,  der

»)  S.  Besold's  Urtheil  über  die  damals  so  herrschende  Astrologiam

  judiciariam  in  Keppleri  Epist.  p.  275.