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ihm  bei  dem  lebbaftesten  Hasse  dieser  gelebrten  Epidemie  gerade
  ein  Theologe  am  verächtlichsten,  der  ein  so  unheilbarer
Kranker  dieser  Art,  als  Dr.  Theodor  Thummius,  war.

Noch  hätte  Besold  etwa  mehr  Zutrauen  zu  dem  damaligen
  Kanzler,  Dr.  Lukas  Osiander,  gehabt,  den  selbst  auch
Joh.  Valentin  Andreä  noch  duldender  fand,  als  den  ewig
zänkischen  Thummius,  wenn  nur  nicht  den  gelehrten  Kanzler
seine  ganze  theologische  Bildung  völlig  unfähig  gemacht  hätte,
ein  paar  Worte  Besold's  ruhig  anzuhdren.  Noch  hätte  er
vielleicht  immer  eher  Osiander  gefragt,  als  den  Er-Jesuiten
Jakob  Reihing,  der  damals  als  dritter  Moofessor  der
Theologie  zu  Tübingen  stand,  so  wenig  er  auch  an  Reihings
Redlichkeit  zu  zweifeln  Ursache  hatte.  Noch  hätte  er  sich  vielleicht
  überwunden,  mit  dem  Kanzler,  so  ärgerlich  ihm  auch
seine  Schrift  gegen  Arnd  war,  gerade  heraus  zu  sprechen,
wenn  nicht  gewöhnlich  in  solchen  Fällen  gerade  ein  Kollege
mit  seinem  Kollegen  am  schwersten  zur  Sprache  käme,  und
wenn  nicht  Besold  auch  den  enrferntesten  Verdacht  einer  Ketzerbeschuldigung
  wie  den  Tod  gefürchtet  härte.

So  war  Besold  ganz  ermüdet  von  theosophischen  und
pseudo=  apokalyptischen  Schriften;  so  stand  er  allein,  in  der
wichtigsten  Angelegenheit  seines  Herzens  von  seinen  Freunden
abgesondert;  so  trieb  ibn  der  unbefriedigte  Durst  nach  Wahrbeit,
  als  Johann  Arnd's  Buch  vom  wahren  Christenthum
erschien.  Sichtbar  hat  dieses  Buch  die  größte  Revolmion  seiner
  theologischen  Gesinnungen  hervorgebracht.  ?)  Ach!  wer  es

)  Diese  Veränderung  sieht  man  vorzüglich  bei  einer  schnellen
chronologischen  Durchlesung  seiner  theologischen  und  politischen
Schriften.  Seit  dem  Jahre  1620  aͤndert  sich  der  Ton  derselben
  völlig.  Nun  erschien  Arnd's  Buch  früher,  aber  es  war  einige
  Jahre  da,  ehe  es  so  grohe  Sensation  machte,  denn  auch