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sich  auch  denken  kaun,  wie  ihm  Arnd  zugeflossen  seyn  muß,
wie  er  ihm  Mark  und  Bein  gestärkt  haben  muß,  da  ihm  vor
der  zonksüchtigen  Theologie  seines  Zcitalters  so  herzlich  ekelte,
da  seine  alte  Apekalypten-Liebe  erkaltet  war,  sein  Herz  leer
stand,  Arnd  sanftere  und  reinere  Wahrheit  ihm  aubot.

Nun  eneschied  sich  sein  Herz  ganz  für  Mystik.  Um  alle
die  Quellen  aufzusuchen,  aus  welchen  der  fromme,  redliche
Mann  geschöpfr  hatte  oder  geschöpft  haben  sollte,  las  er  Kempis
  und  Taulern  und  Rusbroch;  alle  alten  Mystiker  waren
ihm  willkommen,  er  glaubte  auch  bald  eine  vollkommnere  Religion,
  eine  höhere  Geistesübung  in  ihnen  gefunden  zu  haben,
als  die  sey,  von  welcher  die  Osianders  und  Thummiuse  wußten.
  Den  alten  Mstikern  getreu  hielt  er  nun  recht  ernstvoll
auf  Uebungen,  Kasteiungen  und  ascetische  Bräuche;  nun  war
ihm  die  Lauigkeit,  womit  man  auf  Thun  drang,  und  der
Eifer,  womit  man  für  Glauben  und  Meinungen  focht,  ein
unvergeßlicher  Aerger;  nun  schien  ihm  bald  bei  allen  Irrthämern
  der  rômischen  Kirche  mehr  Ascese,  mehr  Eifer  und
Wärme  und  Zusammenhalt  in  eben  der  Kirche  zu  seyn,  als
in  der  sonsi  reineren  Gemeinschaft  des  lutherischen  Glaubens.

Der  Mann,  der  Menschen  und  Welt  nicht  kannte,  den,
so  buchgelehrt  er  auch  war,  jeder  erste  Schein  blenden  konnte,
sab  nun  mit  mystischer  Rührung  in  manchen  Gegenden  Ober-Schwabens,
  ost  in  der  Nähe  von  Tübingen,  die  prachtvolle
Devotion  des  katholischen  Gottesdienstes,  und  wenn  er  bei
den  ersten  neugerührten  Blicken,  womit  er  gewöhnliche  Ascesen

Ostander's  Schrift  gegen  Arnd  erschten  erst  1623.  Wenn  man
Besold's  eigene  Erklärung  in  seinen  christlichen  Motiven  S.  136
mit  dem  vergleicht,  was  er  in  der  Zueignungsschrist  sagt,  so
erbellt  offenbar,  Arnd's  Lektüre  machte  eine  Hauptrevolntion
seiner  Gesinnungen.