vollsten  Neutralitaͤt,  wenn  es  je  noch  Neutralitaͤt  war;  so
rang  in  ihm  Hoffnung  und  Furcht,  Ueberzeugung  und  Zweisel.
  Er  fühlte  die  Pflicht,  sich  zu  erklären,  und  empfand  nie
mehr  neuc,  fürchterlich  aufwachende  Zweifel,  als  wenn  er  sich
erklären  wollte.  Er  konnte  sich  nicht  entscheiden.  Er  wollte
sich  entscheiden,  und  konnte  nicht  den  letzten  Schritt  thun.  —
Gott  selbst  sollte  ihm  noch  den  letzten  Wink  zur  Veränderung
geben,  den  unwidersprechbarsten  Beweis  der  Wahrheit  der  katholischen
  Religion.

Schon  29  Jahre  lang  lebte  er  in  einer  völlig  unfrucht,
baren  Ehe.  Sein  Lieblingswunsch,  einen  Erben  zu  haben,
der  Wunsch,  um  dessen  willen  allein  so  mancher  andere  seiner
  Wünsche  da  war,  verschwand  selbst  nicht  als  alrer,  29jähriger
  Lieblingswunsch,  und  da  er  einst  1629  zu  Scheer  im
Truchseßischen  die  wundervolle  Andacht  des  katbolischen  Volks
sah,  der  allgemeinen  Verehrung  des  beiligen  Wunibald  und
des  beiligen  Wilibalds  Reliquien  beiwohnte,  so  war's  in  ei
nem  Augenblick  bei  ihm  beschlossen,  wenn  er  innerhalb  eines
Jahres  einen  Erben  bekomme,  dem  Gotte,  der  hier  angerufen
  so  mächtig  wirke,  seierlich  die  Ehre  zu  geben,  seierlich  zur
katholischen  Kirche  sich  zu  bekennen.)

Der  erflehte  Erbe  traf  ein.  Die  Tochter,  die  Besold  geboren
  wurde,  ward  ihm  noch  zum  zweiten  Male  vom  Himmel
  aus  großen  Gefahren  heraus  geschenkr,  sobald  Besold  den
beiligen  Wunibald  und  Wilibald  und  die  beilige  Walburg
wieder  anrief.  Nun  glaubte  der  arme,  schwache  Mann  zwei
Beweise  des  Himmels  zu  haben,  nun  weilte  er  keinen  Augenblick
  länger;  er  schwur  den  1.--August  4630  in  seierlichster
Stille  zu  Heilbronn  ab,  bekannte  daselbst  seinen  neuen  Glauben

*)  S.  Besolb's  Motive  S.  III.,  verglichen  mit  Rath  l.  e.  S.  9.