356
vom  Kaiser  in  den  Grafenstand  erhoben  wor,
den  sey.

Alle  Aussätze,  die  sowohl  zu  jenen  Notifikationen,  als
zur  letzteren  Bekanntmachung  erfordert  wurden,  mußten  auch
sogleich  besorgt  werden.  Ein  trauriges  Loos;  zu  bloßen  Expeditionen
  hatte  er  also  seine  Geheimen  Raͤthe  rufen  lassen,
und  nicht  einmal  uͤber  die  Frage:  ob  Publikationen  solcher
Art  vorträglich  oder  nothwendig  seyen?  ihre  Meinung  vernommen.
  Den  kleinen  Anachroniemus,  daß  es  in  allen  Ausfertigungen
  hieß:  Wilbelmine  von  Grävenitz  sey  bereits  vom
Kaiser  in  den  Grafenstand  erhoben  worden,  ungeachter  die
Sache  zu  Wien  weit  noch  nicht  richtig  war,  übersieht  man
endlich  noch  gerne.

Doch  die  wichtigste  Expedition  war  noch  zurück,  die,
um  derenwillen  die  Geheimen  Räthe  vielleicht  wohl  vorzüglich
gerufen  worden  seyn  mochten,  nämlich  die  Verschrcibung,
was  der  neuen  Frau  Gräsin  und  ihren  Kindern  aus  dieser
Ehe  ausgesetzt  werden  sollte.  ·

Der  Herzog  befahl:  der  ersteren  sollten  jährlich  10,000
Gulden  und  dabei  der  Genuß  eines  Kammerschreiberei-Guts
von  ungefähr  2000  Gulden  jährlichen  Ertrags  bestimmt  seyn;
die  lebenslängliche  freie  Wohnung  im  Stadtschlosse  zu  Urach
kam  bald  noch  hinzu.  Jedem  jungen  Grafen  sollren  lebenslänglich
  alle  Jahre  1500  Gulden,  einer  jungen  Gräfin  jährlich
4000  Gulden,  und  bei  ihrer  Vermählung  eine  Aussieuer  von
45,000  Gulden  ausgesetzt  sepn.

Dieß  gab,  wenn  solche  Nachkommenschaft  zahlreich  werden
  sollte,  eine  böchst  traurige  Aussicht  für  die  herzogliche
Rentkammer,  zu  deren  Untersiügung  bei  dem  damaligen,  schon
lange  dauernden  franzoͤsischen  Kriege  bereirs  manche  außerordemliche
  Mittel  ergriffen  werden  mußten.  Wie  sollte  cs  auch