12

So  weit  waͤre  man  bald  einig,  und  die  Meinungen  scheiden
  sich  gewoͤhnlich  bloß  daran,  ob  auch  nur  ein  Nachhelfen
nothwendig  sey.

Die  Geschäftsleute  und  praktischen  Staatsmänner  halten
es  leicht  fuͤr  eine  schriftstellerische  List,  daß  man  unter  einem
neuen  Namen  einschwärzen  wolle,  was  unter  der  alten,  jetzt
sehr  verschrieenen  Benennung  sogleich  verworfen  werden  würde;
und  ist  einmal  ein  Argwohn  dieser  Art  sehr  rege  geworden,
so  gibt  es  oft  recht  psychologisch  merkwuͤrdige  Beispiele,  wie
Argwohn  auch  bei  den  edelsten  Männern  zu  wirken  pflege.
Jene,  die  Geschäftsmänner,  sind  nicht  selten  fest  überzeugr,
daß,  wenn  nur  nicht  fürwitzige  und  ehrgeizige  Schriftsteller
rüttelten,  auch  die  morschesten  Pfeiler,  ohne  neu  hinzukommende
  Hülfe,  noch  langehin  sicher  tragen  würden.  Sie,  die
durch  ihre  ganze  Lebensweise  und  Geschäftsart  mehr  an  die
Politik  des  Augenblicks,  als  an  die  allgemeinen  Kombinationen
  gewöhnt  sind,  und  manche  schöne  Frucht  von  jener  —
gewiß  auch  schätzbaren  Politik  genossen  haben,  sie  behandeln
leicht  das  ganze  Regierungswesen  bloß  nach  dieser  ihnen  gangbaren
  Kunst.

Dieß  kann  aber  unmöglich  die  Sehart  des  sogenannten
Gelehrten  seyn.  Alles  hat  bei  ihm  ein  natürliches  Hinstreben
zu  allgemeineren  Begriffen.  Alles  wird  durch  die  längere  und
also  oft  auch  tiefere  Veschauung,  mit  der  er  bei  seinen  Wahrnehmungen
  verweilr,  viel  schirfer,  und  mancher  hart  lautende
Ausdruck,  womit  dieß  oder  jenes  gesagt  ist,  verräth  wohl  unverkennbar
  die  Einsamkeit  des  Studierzimmers.

Der  Geschäftsmann  oder  praktische  Staatsmann  hingegen

  faßt  Alles,  was  er  hat  und  weiß,  im  Leben  selbst  auf.
Seine  Abstraktionen  sind  nur  vorübereilende  Wahrnehmungen,
und  fast  jede  seiner  Ideen  ruht  auf  einer  gewissen  persdulichen