25

Benachbarte  Fürsten  eilten  herbei,  kaiserliche  und  kurpfälzische
  und  würzburgische  Gesandte  kamen;  alle  kamen,
um  Unruhen  schnell  zu  vermitteln,  die  bei  der  damaligen
Disposition  des  ganzen  Zeitalters  leicht  epidemisch  und  allgemein
  werden  mochten.

Mit  hober  Noth  wurde  zu  Tübingen  ein  Vertrag
zu  Stande  gebracht.  )  Der  Herzog  mußte  den  Städten
und  Amtzeingesessenen  seines  Landes  mit  Brief  und  Siegel
Rechte  verwilligen,  wie  sie  noch  kein  deutscher  Fürst  mit
einem  Male  gegeben  hatte,  und  sie  dagegen  übernahmen
eine  so  beträchtliche  Masse  der  fürstlichen  Schulden,  wie  damals
  auch  in  größeren  und  volkreicheren  Staaten  der  dritte
Stand  allein  nicht  gethan  haben  würde.  Von  mehr  als  einer
Million  war  die  Rede.

Sie  waren  freigebig  im  Uebernehmen,  und  mißtrauisch
in  der  Art,  wie  sie  es  thaten.  Sie  verwilligten  nicht  ihrem
Fürsten  neue  Steuern,  die  er  einziehen  und  zu  Abtragung
der  drängenden  Schulden  verwenden  möchte.  Denn  weder
den  Räthen,  noch  dem  jungen  Fürsten  selbst  mochte  man
trauen,  ihm,  der  wohl  voll  guter  Entschlüsse  zu  seyn  schien,
aber  noch  nicht  zu  der  Festigkeit  des  Charakters  gekommen
war,  die  allein  gegen  äußere  und  innere  Reizung  die  Probe
bält.  Sie  selbst  also  machten  Anstalt,  daß  mehr  als  eine
Million  Schulden  von  gewissen  Steuern,  die  sie  besonders
dazu  aussetzten,  terminweise  in  gewissen  Jahren  getilgt  werden
  könnte.

Man  erdffnete  also  neue  Finanzquellen,  man  verwilligte
neue  Steuern.  Ihr  Ertrag  sollic  in  eine  neu  errichtete

*)  8.  Juli  1514.