127

Unterdeß  saß  zwar  wohl  im  Geheimen  Rathe  hie  und
da  ein  Mann  von  großen  Kenntniffen,  Eifer  und  Muth,  und
wie  Geizigkofler,  der  eine  Zeit  lang  den  Premierminister  gemacht
hatte,  bald  wieder  abgegangen  war,)  auch  Kanzler  Burkhard
die  großen  Hoffnungen  der  Gutgesinnten  nicht  erfüllte,  so
fand  sich  immer  noch  ein  Mann,  wie  Varnbüler  war.  Nach
Varnbülers  Tod  war's  Müller  oder  Bidembach,  auf  den  man
zählte.  So  schien  demnach  bis  1677  immer  ein  Mann  da
zu  seyn,  der  das  Ganze  beleben  konnte.  Nur  was  kann  ein
Mann  allein  thun?  Was  thun,  wenn  die  Kraft  von  oben
herab  ganz  fehlt?  wenn  das  fehle,  was  allein  wie  ein  Schoͤ-pfungshauch
  Alles  beseelen  kann?

Es  war  ein  allgemeines  Jurückbleiben;  auch  auf  der
Landes-Universität  merkte  man  es  wohl,  und  die  sogenannte
philosophische  Partie  schien  es  am  tiefsten  zu  empfinden.  Denn
den  Theologen  erhielt  noch  der  Geist  des  Zeitalters;  das
Rechtsstudium  lebte  durch  das  Bedürfniß,  aber  Männer,  wie
Mästlin,  Schikard,  Nauscher  und  auch  Lansius  waren,  kamen
nicht  wieder.

Nirgends  fand  sich  ein  Aufstreben  zu  höherer,  immer
sortgehender  Vollkommenheit,  und  so  denn  zeigten  sich  auch
wohl  nirgends  die  Gefahren,  die  so  leicht  aus  einem  Aufstreben

o)  1646  ging  er  ab.  Er  hatte  die  Stelle  nur  fünf  Jahre  lang
bekleidet.  J.  Val.  Andreä  fagt:  invidiose  munerc  se  sponle
abdicavit,  vir  magni  ingenii  el  industrinc,  scd  varius,  ac  proinde
nunc  acluus  nunc  iniquus,  dui  tainen  res  Eeclesiac,  parum,
cum  voluit,  juit,  et  demum  acerbam  sui  memoriam  Post  se
reliquit.

Man  machte  nun  wieder  einen  Landhofmeister,  und  dieser
war  Graf  Wolfgang  Georg  von  Castel,  nach  dessen  1668  erfolgtem
  Tode  die  Stelle  überhaupt  nicht  mehr  besetzt  wurde.