sichtbar  immer  mebr  verloren  hatte,  erschien  nur  noch  vor  dem
Publikum  in  seiner  alten  Glorie,  weil  viellcicht  doch  immer
noch  ein  Mann  da  war,  mit  dessen  hohem  wohlverdienten
Ruhme  die  übrigen  sich  decken  konnten.  Endlich  aber  kam's,
daß  auch  mit  diesem  vollends  die  ganze  alte  Generation  abstarb.
  Nun  ward  mit  einem  Male  allgemein  fühlbar,  was
man  aus  altem  Respekt  lange  nicht  hatte  ahnen  wollen,  und
bei  einzelnen  Vorfällen,  die  schon  als  Vorboten  kamen,  minder
  lebhaft  empfunden  hatte.

Schon  die  alten  Petitionen  und  Adressen  waren  nie  Meisterstücke
  der  Beredsamkeit  oder  Muster  der  Evidenz  gewesen;
jetzt  aber  wurde  der  Ton  gar  litaneiartig.  Jetzt  war's  in
den  besten  derselben  ein  kahles,  kaltes  Herableiern,  was  der
ruhigste  Mann  kaum  aubören,  und  was  also  noch  weniger
auf  den  passionvollen  Fürsten  selbst  Eindruck  machen  bonnte.
Was  ehedem  Grundsätze  gewesen  waren,  das  waren  nun  bloße
Citate  geworden,  und  Worte,  die  ehedem,  wenn  sie  auch  nicht
gut  gewählt  waren,  immer  doch  noch  die  Salbung  hatten,
daß  der  Geist  der  innigsten  Kenntniß  und  Ueberzeugung  aus
ihnen  hervorging,  tönten  jetzt  wie  lange,  lanzweilge  Phraseologien.


Die  Comité-Herren  meldeten  sich  zwar  noch  immer  mit
ihren  treudevotesten  Vorstellungen,  wie  die  Grävenitzische  Geschichte
  anfung,  aber  sie  schwiegen  fast  ganz,  wie  endlich  aus
der  skandalvollen  Liebeshistorie  eine  wahre  Regierungsgeschichte
wurde.

Man  sah  besonders  seit  1712  die  wichtigsten  Landes-Kollegien
  wie  verwandelt.  Alle  alten  Geheimen  Näthe  waren
schnell  nach  einander  hinweggeschwunden,  und  die  Favoritin
mit  ihrer  Fabtion  hatte  sich  so  kühn  aller  Stellen  bemächtigt,
daß  Schwesier,  Bruder  und  Sohn  zusammen  im  Geheimen