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Rathe  saßen.  Selbst  Sittmann,  dem  es  an  den  ersten  Elementen
  einer  literarischen  Erziehung  fehlte,  saß  als  Schwager
der  Favoritin,  wo  weiland  Varnbüler  gesessen  hatte.  Kein
Wunder,  daß  ein  Mann,  wie  Johann  Osiander  war,  in  dicsem
  geheimen  Concilium  kein  Mitgenosse  seyn  mochte.  *)
Man  wird  oft  selbst  unrein,  wenn  man  wie  Weihwasser  gebraucht
  werden  soll.

Bald  ging  denn  auch  die  Korruption  wie  ein  unheilbarer
Krebsschaden  durch  alle  Kollegien  der  ganzen  Landesregierung
bindurch,  und  je  höher  sie  stieg,  je  tiefer  sie  umfraß,  desto
stiller  und  seltener  wurden  die  Adressen,  die  das  ständische  Comité
  pflichtmähig  zu  thun  hatte.  Das  Publikum  sprach  laut
und  heftig;  sie  aber,  die  bestellten  politischen  Zionswächter,
schwiegen.  Die  landesherrlichen  Kollegien  wehrten  sich  der
Rechte,  die  man  ihnen  nehmen  wollte,  und  die  kraft  der  konstitutionsmäßigen
  Staats-Organisation  ihnen  zukamen;  sie
aber,  die  mit  Muth  vorangehen  oder  wenigstens  doch  mit
Muth  nachfolgen  sollten,  sie,  die  hier  den  hülfreichen,  unerschrockenen
  Alliirten  zu  machen  verpflichtet  waren,  blieben  ruhig
  und  still,  wenn  man  nur  nicht  baar  Geld  von  ihnen  verlangte.
  Auch  nicht  ein  großer  Fall  kam  vor,  wo  ihre  Vorstellungen
  gesiegt  haͤtten.

Man  konnte  sie  wohl  nicht  geradehin  anklagen,  daß  sie
von  der  Hofpartie  gewonnen  worden  seyen,  denn  weder  die
Hofpartie  selbst,  die  sich  ohnedieß  bald  in  zwei  Faktionen,  die

5)  Lebensbeschreibung  J.  Olfanders  (Tübingen  1795.  8.)  S.  30:
„Eine  wirkliche  Geheimerrathsstelle,  die  ihm  1713  sehr
ernstlich  angetragen  wurde,  schlug  er  standhaft  aus;  nur  den
Ditel  eines  Geheimen  Raths  anzunehmen,  ließ  er  sich  am  Ende
überreden.“