169

Landtags-Deputirten  selbst  hie  und  da  manche  sich  finden,  die
des  Landtages  mehr  als  einer  Diätengelegenheit  sich  freuen,
denn  daß  sie  mit  unermüdetem  und  redlichem  Eiser  das  Gemeinwohl
  bedenken,  und  unerschrocken  alles  das  ausführen
sollten,  was  Pflicht  und  Gewissen  fordern.

Doch  Betrachtungen  dieser  Art  sollen  euch  nicht  abhalten,
das  Eurige  zu  thun.  Die  Zeiten  werden  nicht  immer  von
selbst,  sondern  man  muß  sie  auch  machen,  und  nie  ist  noch
ein  wichtiges  Werk  mit  einem  Male  ausgeführt  worden.

Fast  aller  Anfang  großer  Dinge  scheint  immer  thdricht,
aber  sobald  nur  einmal  ernstlich  Hand  angelegt  wird,  so
wirkt  in  Kurzem  die  gewissenhafte  Behandlung  großer  Angelegenheiten
  eben  so  sehr  auf  die  Gesinnungen  oder  Charaktere
  der  Menschen,  als  diese  auf  jene  zu  wirken  pflegen.

Wir  haben  überdieß  doch  jetzt  einen  unaussprechlichen
Vorkheil  für  die  glückliche  Vollendung  aller  redlichen,  gemeinnötzigen
  Absichten,  der  bei  manchem  der  vorhergehenden  Landtage
  gefehlt  hat.  Unser  Herzog  meint's  gut  wie  ein  Vater,
und  ist  der  Regierungskunst  hochverständig,  wie  es  vielleicht
wenige  deutsche  Fürsten  sind;  an  seiner  Mitwirkung  wird  es
also  nicht  fehlen.

So  lieb  euch  also  euer  und  eurer  Kinder  Wohl  ist,  so
sehr  ihr  wünschen  werder,  einst  ruhig  sierben  zu  können,  und
so  gewiß  euch  jenseirs  des  Grabes  ein  Richter  erwartet,  dem
ihr  schwer  verantwortlich  seyn  werdet,  einen  unschätzbaren
Augenblick,  für  mehr  als  500,  Oo0  eurer  Mitbürger  viel  Gutes
zu  thun,  schnöde  versäumt  zu  haben,  so  ernst  laßt  es  euch
seyn,  das  große  Werk  anzutreten.

Sollte  aber  auch  unsern  schönsten  Hoffnungen  zuwider
von  allem  dem,  was  wir  jetzt  Gutes  wirken  wollen,  durchaus
nichts  zu  Stande  kommen,  und  sollte  man  sogar  mit  einiger