184

so  viel  auf  Charakter,  als  auf  Kenntnisse  rund  Talente  ankommt,
  und  es  würde  für  uns  erwünscht  seyn,  jenen  vorläufig
  eben  so  prüfen  zu  können,  wie  diese.  Noch  wollen  wir
auch  gar  nicht  leugnen,  daß  mancher  vorerst  ziemlich  unkundige
  Mann,  bei  gehdrigem  Fleiße  und  Applikation,  in  Kurzem
  alle  die  Kenntnisse  und  Fähigkeiten  sich  zu  erwerben  im
Stande  sey,  die  zu  dieser  Stelle  erfordert  werden.
Aallein  gar  zu  viele  Beispiele,  die  wir  unter  unsern  Augen
  gehabt  haben,  mußten  uns  nothwerdig  endlich  gegen  diesen
  erwarteten  Nachfleiß  mißtrauisch  machen,  und  so  lange
man  Leute  haben  kann,  die  einem  Amte  wirklich  jetzt  schon
gewachsen  sind,  so  nimmt  man  doch  diese  lieber,  als  andere,
bei  denen  man  erst  von  der  licben,  langen  Zeit,  die  endlich
Alles  gut  mache,  die  Erwerbung  der  Haupteigenschaft,  ohne
welche  doch  aller  redliche  Wille  nichts  hilft,  geduldig  erwarten
muß.

Soll  man  denn  auch  überdieß  einen  Mann  für  ein  so
wichtiges  Amt  gar  nicht  prüfen,  weil  man  nicht  alle  seine
Fähigkeiten,  intellektuelle  und  moralische,  durch  und  durch
sicher  zu  prüfen  im  Stande  ist?  Soll  z.  B.  ein  Kammergerichts-Assessor
  keine  Probe-Relation  machen,  weil  doch  die
Probs-Relation  nicht  zeigen  kann,  ob  er  auch  künftighin  die
Goldprobe  aushalten  werde?

Wir  können  zwar  selbst  mit  einem  solchen  Eramen  gewiß
nicht  ganz  hindern,  daß  nicht  doch  hie  und  da  ein  unwissender
  Mann  sich  einschleiche,  so  wenig  es  durch  die  besten  Einrichtungen
  dieser  Art  bei  Tribunalien  und  anderen  landesherrlichen
  Kollegien  völlig  vermieden  wird.  Aber  dieser  Unwürdigen
  und  Unwissenden  werden  doch  viel  wenigere  seyn,  als
wir  leider  manchmal  bieher  schon  gesehen  haben;  dem  Nepolismus
  ist  sein  Spiel  ein  wenig  erschwert,  und  Männer,