VI.

Zur  Geschichte  der  Mißheirathen  im  wirtembergischen
  Fuͤrstenhause.

1.
Prinz  Friedrich  Ludwig  von  Wirtemberg  und  Ursula
  Katharine  von  Buckom  (1722  —  1758).

Die  Geschichte  dieser  Vermählung  ist  nicht  nur  in  Beziehung
  auf  die  wechselnden  Begriffe,  was  eigentlich  nach
deutschem  Fürstensinne  unter  einer  Mißheirath  zu  versiehen
  sey,  sehr  lehrreich,  sondern  sie  gibt  auch  einigen  einzelnen
  bistorischen  Punkten  des  damaligen  Zeitalters  viel  Aufklärung.


Prinz  Friedrich  Ludwig  war  der  jüngste  Bruder
Herzog  Karl  Aleranders  von  Wirtemberg,  der  jüngste  Sohn
eines  appanagirten  Herrn  dieses  Hauses,  der  vier  Söhne  hinterließ,
  die  sich  in  das  kleine  Appanagium  des  Vaters  und
das  unbeträchtliche  Vermögen  desselben  theilen  mußten.

Wie  der  Vater  starb,  war  dieser  jüngste  Prinz  Friedrich
Ludwig  nur  acht  Jahre  alt,  und  weil  man  zu  Stuttgart  am
Schicksale  desselben  wenig  Theil  nahm,  so  ward  er  nach  Dresden
  gesandt,  und,  wie  auch  sein  sterbender  Vater  gewünscht
hattc,  von  Kurfürsi  August  erzogen.