1.

·—

Ehe  Renz  im  April  4765  nach  Wien  ging,  führten  dort
die  herzgoglichen  Angelegenheiten  der  Regicrungs=  und  Legationsrath
  Straube  und  der  Reichshofraths-Agene  v.  Stieve.

Renz  aber  wurde  in  einer  doppelten  Absicht  damals
nach  Wien  geschickt:  «

1)umeineprovisorischchrfügmsgIvegcuchlandfchaftlichcaMtlicårbcitragözubckkcibm,venndsehctzoglichc

Kriegskasse  hatte  kein  Geld  und  enorme  Schulden.  Schaaren
von  Offizieren  schrien  um  ihre  Bezahlung;  man  konme  sie
nicht  beibehalten  und  nicht  reduziren,  denn  auch  zu  Letzterem
wurde  Geld  erforderk,  um  den  rückständigen  Sold  abzutragen.
Oft  wußte  man  auch  am  Ende  des  Monats  nicht,  woher
für  den  künftigen  Monat  zur  Löhnung  des  gemeinen  Soldaten
  und  zu  Bezahlung  seines  Brods  Geld  zu  nehmen  oder
zu  hoffen  seyn  dürfte,  und  man  sachte  sich  so  gut,  als  möglich,
durch  erekutive  Mittel,  einseirige  Ausschreibung  oder  Hinwegnahme
  landschaftlicher  Gelder  zu  helsen,  gegen  welche  Mittel  aber
selbst  Renz  gleich  in  seiner  ersten  Relation,  die  er  von  Wien  aus
(17.  April  1765)  ersiattere,  sehr  dringend  zu  warnen  Ursache
fand.  Er  versicherte  zwar,  gehbdrigen  Orts  wohl  vorgestellt
zu  haben,  wie  wenig  diese  Mittel  dem  Herzog  zu  verdenken
seven,  da  ihn  die  adußerste  Nothwendigkeit  dränge,  die  Landschaft
  höchst  irraisonnable  sich  zeige,  und  der  Herzog  bisher
außerordentliche  Mähigung  beobachtet  habe;  allein  darauf  bestehen
  selbst  die  Wohlgesinnten,  schreibt  er,  daß  der  Herzog
bei  der  so  nahe  bevorstehenden  kaiserlichen  Hülfe  solcher  Mittel
  sich  enthalten  müsse.

Nur  war  dieß  schwer  zu  befolgen,  denn  die  Norh  war
unglaublich  groß,  und  Graf  Montmarkin  hatte  im  engsten
Vertrauen  erfahren,  daß  65,  285  fl.  19  kr.  5  hlr.  in  der  Landschaftskasse
  seyen.  Wie  sollte  ihn  nicht  danach  gelüstet  haben?
Spitleres  sämmoliche  Werte.  X  III.  Be.  17