267

bat  er  gleichwohl  mit  seinem  Jubio  nicht  undeutlich  darauf  geditten,
  nachdem  überall  wahrzunehmen,  daß  man  aller  Orten,  hier  in
besonderer  Besorgniß  vor  den  fremden  königlichen  Höfen  sieht,  keinem
  Vorwurf  sich  zu  exponiren,  als  ob  in  dieser  Sache  von  der
Ordnung  abgewichen  werden  wollte.  Es  kommt  auch  hiemit
nicht  allein  die  in  meiner  vorigen  Relation  von  dem  Baron
Senckenberg  über  den  Hoffommissionspunkt  schon  angemerkte,
sondern  auch  die  bei  dem  Freiherrn  von  Hagen  darüber  beobachtete
  Unentschlüssigkeit  überein,  welcher  Letztere  sonst  unter  die
wohlgesinnte  vor  Eurer  herzogliche  Durchlaucht  zu  zählen  ist.“

Doch  fast  noch  trostloser  als  jene  erste  Visite  bei  dem
Reichs-Vicekanzler  und  einigen  der.  wichtigeren  Reichshofräthe,
und  selbst  trauriger  als  die  Schwerfälligkeir,  womit  manche
der  letzteren  dic  feinen  Renz'schen  Distinktionen  nicht  begreifen
wollten,  auch  öfters,  wie  Renz  besonders  über  Senckenberg
klagte,  *)  zur  Erwiderung  hoher  politischen  Spekulationen,
warum  der  Herzog  von  Wirtemberg  ein  sehr  zahlreiches  Militär
  haben  müsse  und  die  Landstände  dasselbe  unterhalten
sollten,  solche  schulmeisterische  Gedanken  hatten,
daß  man  sich  darüber  ärgern  müßte  —  noch
trauriger,  als  das  alles,  war  die  ersie  Audienz,  die
Renz  bei  dem  Fürsten  Kauniz  erhielt.  Er  zeichnete  es  recht
aus  in  seinem  Rapport,  wie  gleichgültig  dieser  Minister  ihn
aufgenommen,  wie  kurz  und  kahl  er  ihn  abgefertigt  babe.
Kein  Wort  von  allem  dem,  was  der  Herzog  so  eben  erst  im
siebenjährigen  Kriege  gegen  Preußen  zum  Vortheil  des  Hauses
Oestreich  gethan.  Keine  Sylbe  irgend  einer  feinen  Zusicherung,
daß  man  von  Seiten  des  östreichischen  Staatsministeriums
auf  den  Reichshofrath  wirken  werde,  sondern  der  Herr

*)  S.  dessen  Schreiben  an  Montmartin,  Wien  1.  Mai  1765.