272

war  freilich  ein  sehr  entschlossener  Mann,  und  das  Neskript,  das
er  gerade  um  diese  Zeit  von  Berlin  erhielt,  und  das  fast  entscheidender,
  als  alle  bisherigen  lautete,  mochte  uͤberdieß  den  raschen
Ton,  worin  er  gewöhnlich  sprach,  nicht  wenig  erhoͤhen.  *)

Doch  an  Schulenburgen  lag's  wobl  weit  nicht  allein,
wenn  die  mitgetheilten  Friedens-Präliminarien  nicht  sogleich
den  vollen  ständischen  Beifall  fanden,  denn  nach  achtjährigen
unglaublichen  Mißhandlungen,  die  das  arme  Land  erlitten  hatte,
und  nach  so  wilden  Auftrikten,  als  man  erst  noch  vor  einem
Jahre  gesehen,  waren  die  Gemüther  noch  viel  zu  abgeneigt,  als
daß  man  den  ersten  Einladungen  zum  Frieden  ungeprüft  hätte
trauen  sollen.  Gewiß  mochten  auch  die  Landstände  durch
ihre  Wiener  Korrespondenten  längst  wissen,  wie  das  reichshofrätbliche
  Previsorium  ausgefallen  sey.  Auch  selbst  Renz  hatte
es  unterdeß  geschrieben,  obschon  Letzterer  die  ganze  Fassang
desselben,  über  die  er  nachher  so  sehr  jammerte,  noch  nicht  gesehen
  zu  haben  schien.

*)  Das  Reseript  war  datirt:  Berlin,  7.  Mai  1765.

„Nachdem  wir  aus  eurem  allerunterthänigsten  Bericht  vom
27.  v.  M.  ersehen  haben,  daß  der  Herzog  mit  seinen  Anfarderungen
  an  das  Kirchengut  fortfährt,  und  sich  durch  keine  Remonstrationen
  des  Kirchenraths  von  seinem  Vorhaben  abwendig
machen  lassen  will,  so  haben  Wir  den  von  Roth  zu  Wien  anderweit
  instruirt,  dem  Fürsten  Eolloredo  die  ernstlichsten  Vorstellungen
  deßhalb  zu  erneuern,  und  ihme  gerade  heraus  zu  erklären,
  daß  Wir  über  die  Einschränkung  des  Herzogs  in  seinem
despotischen  Verfahren  eine  prompte  und  unparteiüsche  Erkenntniß
  des  Reichshofraths  erwarteten,  und  daß,  wenn  solche  nichr
erfolgte,  Wir  uns  mit  allem  Ernst  darwider  setzen,  die  Stände
überhaupt,  insbesondere  aber  in  der  Konservation  des  Kirchenguts
  protegiren,  und  solche  Maßregeln  vorkehren  würden,  wodurch
  den  Ständen  und  dem  armen  Lande  Hülfe  und  Erleichterung
  geschafft  werden  könne.“