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kommen  werde,  und  es  war  leicht  zu  errathen,  wie  Alles  hier
zusammenhänge.  Wer  auch  nur  den  nachher  so  berühmt  gewordenen
  Melchior  Jäger,  der  bei  der  Entsichung  des
Geheimenraths  als  ein  „läufiger  Sekretär“  angestellt  worden
war,  recht  in's  Auge  fassen  mochte,  fand  bald  die  Auflösung
des  Räthsels.  In  diesem  jungen  Mannc,  der  hier  zum  ersten
Male  in's  Licht  hervortrat,  lag  ein  eben  so  rastloser,  als  planvoller
  Ehrgeiz.

Kaum  vor  drei  Jahren  war  er  von  Herzog  Christoph
zum  Diener  in  der  Hofkanzlei  aufgenommen  worden,  *)
und  seine  erste  Besiimmung  war  damals  gewesen,  als  Schreiber
  unter  Franz  Kurzens  Direktion  zu  arbeiten,  und  nun  stand
er  jetzt  schon  neben  dem  alten,  wohlverdienten  Franz  Kurz.
Kaum  auch  hatte  er  sich  diesem  zur  Seite  hingedrungen,  so
wollte  er  wieder  Niemanden  mehr  neben  sich  zur  Seite  haben.

Statt  seiner  Amtsarbeit  pflichtmäßig  zu  warten,  deren
er  gewiß  genug  zu  verrichten  hatte,  machte  er  sich  viele  Beschäftigung
  bei  der  Herzogin  Vormöünderin,  und  suchte  den
Kabineks-Sekrekär  oder  Kabinets-Minister  zu  spielen.

Bald  mochte  auch  die  Herzogin  bei  ihm,  dem  geschäftigen
Schmeichler,  eben  so  gut  ihre  Rechnung  finden,  als  er,  der
junge  Schlaukopf,  seinen  Vortheil  bei  ihr  fand,  und  der  biedere
  alte  Franz  Kurz,  der  der  eigentliche  Kabinets-Sekretär  seyn
sollte,  sah  sich  mit  einem  Male  wirklich  so  verdrängt,  daß  die
Fürsten  Vormünder  schon  im  Jahre  1570,  wie  aus  obangeführtem
  Rezesse  erhellt,  Jägern  in  seine  Sphäre  zurückweisen
und  jenem  sein  Recht  wiederherstellen  mußten.

*)  Im  J.  1566.  —  Damals  war  Jäger  22  Jahre  alt;  s.  die  Personalien
  desselben?  die  sich  bei  der  vom  Probst  Magirus  1611
zu  Stuttgart  gehaltenen  Leichenpredigt  funden.