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Kanzellariats  aber  schien  Dr.  Enzlin  für  sich  behalten  zu  wollen,
  denn  auch  den  neuen  Vicc-Kanzler  Dr.  Sebastian  Faber,
der  gewiß  damals  weder  an  Beredsamkeir,  noch  an  Rechiskenntnissen
  seinesgleichen  hatte,  lieh  der  herrschsüchtige  Mann
nie  zum  Wort  kommen.

Ebenso  vertrieb  er  den  Land-Hofmeister  Eberhard  von
Limpurg  durch  seine  Praktiken,  und  sieben  Vierteljahre  lang
blieb  diese  ersie  Stelle  in  der  Regierung  des  Landes  unbesetzt.

.Wie  sollte  nun  also  ein  Geheimenrarhs-Collegium  da  gedeihen,
  oder  zur  vollendeten  Eristenz  gelangen  können,  wo
obnedieß  die  ganze  Art,  die  Geschäfte  zu  behandeln,  aller  wirksamen
  Kollegien-Erisienz  völlig  zuwider  war?  Nicht  einmal
wenn  der  Herzog  auf  Reisen  ging  wurden  die  Rerservatsachen
einem  Korps  von  Näthen,  oder  etwa  Einem,  der  den  Namen
Geheimerrath  fäührte,  übertragen,  sondern  der  Land=Hofmeister
  und  Kanzler  sollten  fie  (sofern  sie  anders
nicht  dem  Herzog  nachgeschicke  werden  könnten)  nach  Gutdünken
  verrichten.  ")  ·

Wenn  aber  auch  etwa  von  Zeit  zu  Zeit  etwas  dieser,
Art  erschien,  was  einem  Geheimenrath  gleich  sehen  mochte,
oder  eine  vertrautere  Versammlung  einiger  wenigen  der  ersten
Maͤnner  der  Landesregierung  gehalten  wurde,  so  waren  weder
die  Materien,  auf  welche  die  Berathschlagung  sich  bezog,  von
der  Wichtigkeit,  daß  sie  dem  deliberirenden  Korps  ein  Ansehen
geben  konnten,  **)  noch  waren  überhaupt  die  Berathschlao)

  S.  hinterlassenen  Befehl  Herzog  Friedrichs,  wessen  sich  Land-Hofmeister
  und  Kanzler  mittelst  seiner  F.  Gn.  Abwesens  in  der
Kanzlei  zu  verhalten.  Stuttgart,  12.  Juni  1594.

*  S.  das  Beispiel  einer  Versammlung  in  der  Geheimenrathsstube
von  1601  in  Moser's  patriot.  Archiv,  Bd.  IX.  S.  345.