382

Mutter,  die  kraft  ihrer  Ehepakten  gleichfalls  Ansprüche  zu  haben
  vermeint  hatte,  ganz  berichrigr  wurde.  *)

Der  junge  Herzog  war  bei  dem  Tode  des  VWaters  erst
neun  Monate  alt,  der  Oheim  Administrator  kaum  volljährig,
und  an  raschem  Sinn  fast  noch  jünger,  als  an  Jaheen.
Wer  neben  ihm  die  mitvormundschaftliche  Landesregierung  zu
führen  hatte,  mochte  manchem  schweren  Kampf  cutgegensehen.
Herr  von  Mannteufel,  bieher  der  bedeutendste  Mann  im  Geheimenrath,
  erfuhr's  zuerst,  doch  offenbar  nicht  ohne  seine
Schuld.

Gleich  beim  Anfange  des  vormundschaftlichen  Streites
hatte  sich  Herzog  Friedrich  Karl  mit  besonderem  Zutraucn
vorzüglich  an  ihn  gehalten,  und  er  war's  auch,  der  alle  Hülfe
versprochen  und  oft  den  entscheidenden  Nath  gegeben  hatte.

So  geschah's  auf  seinen  Rath  hin,  daß  der  Agent,  der
vom  Herzog  Friedrich  Karl  nach  Wien  geschickt  wurde,  die
Weisung  erhiclt,  daselbst  vorzüglich  an  den  hessischen  Abgeordneten,
  Herrn  von  Diede,  sich  zu  halten,  und  Herzog  Friedrich
  Korl  selbst,  wie  er  endlich,  die  Sache  zu  beendigen,  nach
Wien  eilte,  wählte  in  eben  derselben  Zuversicht  auf  Mannteufels
  Rath  eben  denselben  Abgeordneten  zu  seinem  Vertrauten.
Kein  Verdacht  war  da,  daß  auch  die  Herzogin  Mutter,  eine
geborene  Prinzessin  von  Hessendarmstadt,  bei  diesem  vormundschaftlichen
  Streite  ein  besonderes  Interesse  haben  wolle.
Wenn  die  Ansprüche  des  Groß-Oheims,  Herzog  Friedrichs
von  Neustadt,  zu  Wien  abgewiesen  seyn  würden,  so  schien
Alles  gewonnen  und  Alles  klar  zu  seyn.

Wie  mußte  nun  freilich  Herzog  Friedrich  Karl  ersiaunen,
da  er  endlich  zu  Wien  aus  dem  eigenen  Munde  des  Herrn  von

*l

P  19.  Februar  1678;  s.  denselben  Landes-G  fassung,  S.  896.