405

schied,.')  Rathsamhausen  hielt's  für  ehrenvoller,  ihn  zu
fordern,  **)  als  zu  erhalten;  Seubert,  der  als  ehemaliger
Lebhrer  des  Herzogs  doch  einige  Schonung  verdiente,  verlor
wenigstens  sein  Referat  in  publicis  et  circularibus,  das  er
bis  dahin  im  Geheimenraths-Collegium  gehabt  hatte,)
und  Backmeister  wurde  gleich  darauf  ganz  zur  Ruhe  gesetzt.
  1)

Innerhalb  zwei  Jahren  war  also  in  diesem  ersten  Landes,
Collegium  so  reine  Bahn  gemacht,  daß,  den  einzigen,  ohnedieß
unbedeutenden  Seubert  ausgenommen,  auch  nicht  Einer  mehr
von  allen  Uebrigen  da  war.  Ob  aber  diese  Ausräumung  oder
die  neuc  Besetzung  des  Collegiums  trauriger  gewesen  sey,  läßt
sich  schwer  beantworten.  Natürlich  ging  auch  letztere  viel
schneller,  als  erstere,  denn  das  Personale,  das  einrücken  wollte,
stand  schon  parat.

Friedrich  Wilhelm  von  Gräevenitz,  ein  junger
mecklenburgischer  Offizier,  ohne  alle  Kennenisse  und  ohne  ausgegeichnete
  Talente,  ein  Mann,  der  nicht  einmal  50  Jahre
alt  war,  vor  Kurzem  erst  durch  einen  Zufall  nach  Wirtemberg
gekommen  und  auf  Empfehlung  der  Herzogin  Mutter  Kammerjunker
  geworden,  wurde  nun  mit  einem  Male  erster  adelicher
Geheimerrath.  Das  schöne  Fräulein  Christiane  Wilhelmine,
  über  welcher  Herzog  Eberhard  Ludwig  nicht  bloß  die
eheliche  Treue,  sondern  alle  Decenz  vergaß,  war  seine  Schwester.

Der  bisberige  Regierungs-Vicepräsident,  Georg  Wilbelm
  von  Reischach,  der  dafür  gesorgt  hatte,  daß  der

*)  18.  Dezember  1707.
*°)  24.  Dezember  1707.
vro)  1.  März  1709.

)  Monat  Juni  1710.