420

Schnell  aber  aͤnderte  sich  Alles  in  einer  Nacht,“)  und
wie  es  fast  bei  allen  großen  und  kleinen  Revolutionen  zu  gehen
  pflege,  viel  wurde  am  Ende  anders,  als  zuerst  manche
Helfer  und  Helfersbelfer  geglaubt  haben  mochten.

Kaum  war  nämlich  die  Nachricht  vom  plötzlichen  Tode
Herzog  Kart  Aleranders  erschollen,  und  noch  hatte  man  sich
nicht  besinnen  können,  wie  es  mir  der  Vormundschaft  und
Landes-Administration  werden  mochte,  so  wurden  auf  Befehl
der  Herzogin  Wittwe  Süß  Oppenheimer  und  seine
un  beschnittenen  Gesellen  arretirt.

Der  allgemeine  Fluch  lag  auf  diesem  Gesindel,  und  wer
sie  greifen  ließ,  damit  die  Diebe  ihren  Raub  nicht  in  Sicherheir
  bringen  konnten,  durste  auf  den  lauten  Jubel  des  ganzen
Publikums  rechuen.

Auch  die  Herzogin  Wittwe  schien  also  für  ihre  Ansprüche  an
die  undschaftliche  Adminisiration  viel  gewonnen  zu  haben,
da  sie  dieses  Oyfer  brache,  und  selbst  Röder,  der  in  dieser  Nacht
das  Werk  der  kleinen  Hof=  und  Regierungs-Revolution  getrieben
und  den  Juden  selbst  arretirt  hatte,  schien  sicher  zu  glauben,
daß  man  allgemein  darüber  vergessen  werde,  wer  sonst  noch
außer  dem  Kammerdienet  Neuffer  bis  daher  mit  dem  Juden
oft  getheilt  habe,  und  wer  oft  der  größte  Protektor  dieses  Ge,
sindels  bei  dem  Herzog  gewesen  sey.

Es  war  mit  dieser  einen  Nacht  ein  seltsamer  Wechsel
der  Dinge.  Bis  dahin  kam  mehrere  Monate  lang  Niemand
  in  den  Geheimenrath,  als  Schüz  und  Bilfinger,
oder  Bilfinger  und  Hellwer;  oft  war  auch  Bilfinger
allein  da.  Man  wußte  sehr  oft  nicht,  wie  man  ein  Conklusum
machen  sollte.  Jetzt  aber  wollten  Alle,  die  bis  dahin  den

*7)  12.  März  1757