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was  Ueberlegung  und  Vernunft  oder  Grundsätze  seyen,  kannte
er  nicht.  Ueberdieß  war  auch  kein  Recht  und  keine  Rechtsform
ihm  heilig,  und  jede  wohlwollende  Humanität  schien  eine  ihm
so  fremde  Empfindung  zu  seyn,  daß  oft  noch  ein  feecher
Geistesmutbwillen,  fast  fröhlich  Schaden  zu  thun,  überall
hervorleuchtete.

In  ihm  fand  auch  der  Herzog  vellends  seinen  Kenner,
durch  welche  Fugen  man  in  die  Staatemaschine  eingreifen
müsse,  um  alle  Räder  derselben  bloß  zur  schnelleren  Befriedigung
  der  Launen  und  Passionen  in  Bewegung  zu  setzen.  Er
zeigte  die  Kunst,  wie  bei  allem  Schein  unverletzter  äußeren
Formen  das  innere  Tricebwerk  in  aller  Stille  dekomponirt,
und  der  bloße  Wille  des  Herrschers  zur  allein  bewegenden
Kraft  gemacht  werden  könne.  Er  war  ein  eben  so  interessanter,
  als  gefährlicher  Lehrer,  wie  Leidenschaften  der  Menschen
aufgeregt,  Eitelkeit  und  Furchtsamkeit  derselben  benutzt,  und
getheilte  Interessen  beständig  erhalten  werden  müßten.  Auch
war  unstreitig  der  Terrorismus,  den  er  trieb,  für  eine  so  kurze
Zeitdauer  gut  berechnet.  Allein  das  Ende  war  doch,  wie  es
gewöhnlich  zu  seyn  pflegt;  denn  bald  bewies  dem  unerbittlichen,
  rasch  zuschlagenden  Manne  sein  eigener  Schüler  nur  zu
sehr,  wie  gut  er  den  Lehrer  gefaßt  habe.  *)

*)  28.  November  1762  wurde  Niegern,  ohne  irgend  eine  vorhergehende
  Anklage  oder  Untersuchung,  auf  öffentlicher  Wachtparade
  der  Orden  abgerissen,  der  Degen  genommen  und  vor  die
Fühe  geworfen;  man  schleppte  ihn  hinweg,  setzte  ihn  in  einen
Wagen,  und  brachte  ihn  nach  Hohentwiel,  wo  er  unverhört
Jahre  lang  in  dem  elendesten  Kerker  schmachten  mußte.  Die
Urlache  dieser  eben  so  plöglichen,  als  schrecklichen  Revolution
war  lange  im  Dunkeln;  jetzt  ist  es  ziemlich  gewiß,  daß  Graf
Montmartin  dem  Herzog  einen  apokryphischen  Brief  von  Riegern