441

Mann,  hieß  nun  Premier-Minister  und  Geheimenraths-Präsident.
  )  Der  Kammerherr  Erust  Ludwig  von  Volgstäd
  t,  auf  der  adelichen  Bank  im  Regierungs-Collegium  bisher
  der  sechste,  wurde  mit  dem  Titel  als  Geheimer  Legations-Rath
  in  den  Geheimenrath  gesetzt,  und  Tobias  Courad
Renz,  der  bisher  der  sechste  auf  der  gelehrten  Bank  des
Regierungs-Collegiums  gewesen,  mit  gleichem  Titel  eben  so
wie  Jener  zum  Geheimenraths-Accessisien  gemacht.  **)

Der  Despotismus  schien  jetzt  vollends  vom  Geheimenrath
aus  seine  ganze  Form  erhalten  zu  sollen.  Denn  was  geuehmigte
  nicht  Volgstädt,  sebald  der  Herr  Premier-Minister  wollte?
Und  was  bewies  nicht  Tobias  Conrad  Renz  als  rechtmäßig,
sobald  ihn  Graf  Montmartin  zum  Beweis  aufsorderte?
Schade  um  Renzens  Arbeirsamkeit  und  Talente!  Aller
Wahrheitssinn  schien  ihm  dabei  zu  feblen.

Das  Visier  wurde  jetzt  also  ganz  aufgeschlagen.  Statt
daß  die  Landstände  seit  mehr  denn  20  Jahren  alljährlich  immer
  nur  ungefähr  300,000  fl.  als  Milirärbeitrag  verwilligt
hatten,  sollten  sie  jetzt  ohne  weitere  Schwierigkeit  jährlich  mehr
denn  das  Fünffache  dieser  Summe  bezahlen,  und  während  daß
es  in  der  Kriegskasse  an  Brodgeld  und  Löhnung  des  gemeinen
Soldaten  und  an  allem  Vorrath  zur  Entrichtung  der  Offiziers=Gagen
  sehlte,  so  verwilligte  der  Herzog  mit  einem  Male  von
seinen  Kameral-Revenüen  22,000  fl.  fortdauernder  jährlichen
Pensionen,  um  einmal  neben  den  Italienerinnen,  die  er  hatte,
etwa  auch  drei  Vierteljahre  lang  ein  schönes  Mädchen  aus
dem  Elsaß  zu  genießen.  So  hoch  tarirte  nämlich  der  General-Adjurant
  von  Wimpfen  die  Jungfrauschaft  seiner  Schwester

*)  6.  August  1765.
**)  6.  August  1765.