VIII

Spittler,  wenn  schon  ein  Schriftsteller  des  vorigen
Jahrhunderts,  gehoͤrt  nicht  der  alten  Zeit  an.  Der  Anfang
seiner  literaͤrischen  Thaͤtigkeit  fällt  in  das  Zeitalter  Friedrich's
  und  Joseph's,  die  Blüthe  seines  Schriftftellerruhms
  in  die  großen  Bewegungen  jener  Revolution,  welche
eben  so  gewaltsam  die  Bande  des  Geisies  sprengte,  als  sie
die  äußeren  Verhältnisse  der  Menschheit  durch  einander
warf.  Hatten  dort  die  Strahlen  der  anbrechenden  Aufklärung
  und  die  Segnungen  einer  Preßfreiheir,  wie  sie  das
neunzehnte  Jahrhundert  nie  gekannt  hat,  auf  die  Entwicklung
  des  jugendlich  aufstrebenden  Geistes  mächtig  gewirkt,
so  mußten  hier  die  wilden  Auftritte  des  blutigen  Drama,
dessen  Hauptscenen  alle  vorüber  gegangen  waren,  noch  ehe
er  die  Schriftstellerbahn  verlies,  dazu  dienen,  wenn  es  je
nöthig  gewesen  wäre,  die  enthusiastischen  Hoffnungen  zu  dämpfen
  und  dem  Manne  die  Reife  des  Charakters  und  die
Nüchternheit  zu  geben,  ohne  die  im  Gebiet  der  Geschichte
kein  richtiges  Urtheil  möglich  ist.  Allein  es  war  dieß  wirklich
  nicht  einmal  ndthig;  in  der  Sammlung  selbst  werden
viele  neue  Belege  beigebracht  werden,  die  beweisen,  wie
bei  entschiedener  Liebe  für  die  Einrichtungen  börgerlicher
Freiheit,  Spittler  von  dem  allgemeinen  Schwindel  nicht
fortgerissen  wurde  und  seine  Besonnenheit  und  Klarheit  auch
nicht  einen  Augenblick  verlor.

Unter  diesen  Umständen  konnte  es  denn  freilich  nicht
anders  kommen,  als  daß  er  es  mit  beiden  Parthien  verdarb,
daß  er  von  der  einen  Seite  her  Arisiokrat,  von  der  andern
Demokrat  gescholten  wurde,  Demungeachtet  hat  er  unläugbar,
  vorher  und  nachher,  großen  Einfluß  auf  seine  Zeitgenossen
  geübt,  und  zur  Aufklärung  der  Ideen  in  Kirche  und
Staat  unendlich  viel  kbeigetragen.  In  jener  suchte  er
die  Freiheit  des  Glaubens  und  die  Rechte  der  Vernunft