XI

lähmten  die  Flügel  seiner  Thatkraft.  Im  Gram  des  unerffällten
  praktischen  Triebes  ist  er  dahin  gegangen.

Wäre  nun  etwa  die  Zeit  seiner  Wirksamkeit  angebrochen?
  würde  jetzt  ein  Genius,  wie  Spittler,  eine  seiner
würdige  Sphäre  finden?  —  Es  kann  auch  von  dem,  der
die  geringste  Meinung  von  unserer  Zeit  hegt,  nicht  geläugnet
  werden,  daß  der  geistigen  Thätigkeit  ein  freierer  Spielraum
  gegeben  ist,  als  dieß  im  ersien  Jahrzehent  dieses  Jahrhunderts
  der  Fall  war;  daß  durch  Begrundung  und  Erneurung
  gesetzlicher  Einrichtungen  für  bürgerliche  Freiheit,  dem
Frcunde  der  Letzteren  eine  Bahn  gedffnet  ist,  die  mannigfachen
  Stoff  für  praktisches  Wirken  darbietet;  daß  es  dem
Talente  leichter  ist,  den  Einfluß  auf  den  Gang  der  Dinge
sich  zu  erringen,  der  ihm  gebührt.  Sind  auch  die  Fundamente
einer  neuen  Ordnung,  wie  sie  der  Geist  der  Zeit  erheischte,
gelegt,  so  ist  noch  vieles  zu  thun  übrig,  die  durch  die  früheren
  Ereignisse  geldsten  Bande  wieder  zu  befestigen,  die  zerrütteten
  Verhältnisse  zu  erneuren,  das  Angefangene  konsequent
  durchzuführen.  Der  Schatz  aber  der  politischen
Weisheit,  womit  all'  dieß  geschehen  soll,  ist
nicht  so  groß,  daß  er  nicht  eine  Vermehrung
ertragen  könnte;  besonders  wenn  man  die  neuesten
Erscheinungen  der  Zeit  in's  Auge  faßt.  Die  Ruhe  nämlich,
die  an  die  Stelle  des  Schwindels  getreten  war,  den  der  schnelle
Umtrieb  der  Begebenheiten  hervorgebracht  hatte,  scheint  wieder
neuen  Gährungen  Platz  zu  machen,  und  zwar  gefährlicheren
Gährungen  als  die  sind,  welche  nur  eben  beschwichtigt  wurden.
Die  Maske  der  Religion  wird  wieder  hervorgesucht,  um  Verdunklungs-Plane
  durchzusetzen  und  Entwürfe  hierarchischer
Herrschsucht  dahinter  zu  verstecken.  Von  der  Rednerbühne
herab  wird  verkündigt:  „das  Volk  dürfe  nicht  denken.  Selbst