IXII

gute  Doktrinen  seyen  dem  gemeinen  Manne  schädlich,  weil  er
sie  nicht  verstehe.  In  Politik  und  Religion  müsse  er  der
Obrigkeit,  die  Gewalt  über  ihn  habe,  aufs  Wort  glauben.“
Missionaire  und  Jesuiten  suchen  Dummheit  und  Aberglauben
zu  verbreiten,  und  wie  immer  ein  Ertrem  das  andere  hervorruft,
  so  möhen  sich  auch  auf  der  andern  Seite  protestantische
  Zeloten  ab,  Unduldsamkeit  und  Haß  und  Verweigerung
  politischer  Mündigkeit  den  Anhängern  der  Mutter-Kirche
entgegen  zu  setzen.  Und  so  schüren  sie  von  beiden  Seiten
fort,  bis  endlich  die  Leidenschaften  der  Menschen  bis  zu  —
Religionskrieg  en  entbrannt  sind.

In  solcher  Zeit  besonders  ist  die  Fackel  der  Geschichte
nothwendig;  hier  hat  ein  Mann  wie  Spittler  ein  weites
Feld  für  seine  Thätigkeit:  zu  zeigen,  auf  welchen  historischen
Gründen  die  Ansprüche  der  geistlichen  Herrschaft  beruhen,
durch  welche  Mittel  sie  erworben  wurde,  wie  sie  den  Fürsten
so  sehr  als  den  Völkern  zum  Verderben  wirkt;  hier  ist  im
Kampfe  der  Parthien  ein  Mann  von  Spittler's  Talent
und  von  Spittler's  Charakter,  ein  unschätzbares  Kleinod;
ein  Mann,  der  Energie  mit  Mäßigung  verbindet,  Freimüthigkeit
  mit  Anstand,  Festigkeit  mit  Toleranz.

Er  selbst  ist  geschieden.  Aber  sein  Geist  lebt  fort  in
seinen  Schriften.  Diese  aus  der  Zerstreutheit  und  zum  Theil
der  Vergessenheit,  in  die  sie  gerathen  sind,  zu  reißen  und  als
das  geistige  Vermächtniß  des  berühmten  Geschichtforschers  in
der  Form  eines  organischen  Ganzen  seinen  Zeitgenossen  zu
übergeben,  schien  wir  eine  Mlicht,  nicht  sowohl  gegen  den
außerordentlichen  Mann  (wenn  gleich  auch  ihm  die  Auszeichnung
  gebührt,  die  bereits  einer  Reihe  anderer  Historiker
geworden  ist)  als  gegen  die  Zeit  selbst,  für  welche  seine
Schriften  in  ihren  individuellsten  Zügen  auf's  eigenste  berechnet
  scheinen  könnten,  in  welcher,  wie  in  dem  Bisherigen  dare