29

Aber  von  der  Zeit  an  war  nun  nichts  als  Streit  zwischen
den  Bischoͤfen  von  Jerusalem,  Caͤsarea  und  Autiochien;  bei
allen  dreien  steter  Wechsel  gluͤcklicher  und  ungluͤcklicher  Versuche,
  neue  Rechte  sich  zu  verschaffen,  oder  alte  Rechte  zu
behaupten.  Bald  gelang's  dem  Bischof  von  Jerusalem,  durch
einen  kaiserlichen  Befehl  etliche  Provinzen  sich  unterworfen  zu
sehen,  bald  gelang's  dem  von  Antiochien,  gegenseitige  Befchle
herauszubringen,  bis  endlich  auf  dem  Chalcedonischen  Concilium
  2)  durch  genaue  Bestimmung  ihrer  beiderseitigen  Sprengel
  die  Sache  vollkommen  entschieden  wurde  ?#).

Wie  Jerusalem  seine  hohe  hierarchische  Würde  einzig  dem
Vorzug  zu  danken  hatte,  daß  es  gleichsam  Geburtsstadt  des
Christenthums  war,  so  gewan:  auch  Ephesus,  Alerandrien,
Antiochien  und  Rom  durch  seinen  apostolischen  Ursprung.

Ehe  das  Patriarchat  zu  Constantinopel  errichtet  wurde,
genoß  Ephesus  das  Patriarchalrecht  über  ganz  klein  Asien.
Die  Lage  der  Stadt,  ihre  große  Handlung,  daß  sie  Hauptstadt
  des  prokonsularischen  Asiens  war  —  Alles  kam  zum
Vortheil  des  Bischofs  zusammen.  Rom,  so  sehr  sich  auch
sonst  überhaupt  Alles  schicken  mußte,  diese  Stadt  in  der
Hierarchie  noch  größer  zu  machen,  als  sie  vorher  durch  ihre
siegreiche  Waffen  war,  Rom  hat  dem  Namen  des  Apostel
Petrus  viel  zu  danken.  Die  alerandrinischen  und  antiochischen
  Kirchen  hatten  unstreitig  den  frühesten  apostolischen
  Ursprung,  und  indeß  freilich  manche  andere  Kirchen
apostolischen  Ursprungs  noch  früher  als  Ephesus  das  Schicksal
  der  Unterwerfung  erdulden  mußten,  so  gelang  es  diesen
durch  Lokalvortheile,  sich  in  den  Rang  der  Oligarchen  hinaufzuschwingen:
  und  auch  nur  das  einzige  war  hinreichend,

*)  Act.  VII.  Conc.  Chalced.
Thomassini  velus  ac  nova  Eccles.  discipl.  P.  I.  L.  l.  c.  12-