49
haben,  so  lange  wenige  und  minder  zahlreiche  Spnoden  gehalten
  wurden;  aber  eben  dieses  seltenerc  Synodenhalten  beruhte
  theils  auf  der  geringern  Anzahl  von  Vischöfen  in  einer
Provinz,  theils  auf  dem  ruhigern  Zustand  dieser  Gemeinden.

Die  arianischen,  nestorianischen  und  eutychianischen
Streitigkeiten  hatten  ihren  Sitz  mehr  im  Orient  als  im  Occident;
  dort  mengte  sich  auch  persönliches  Interesse  der  großen
  Bischdfe  von  Alerandrien,  Constantinopel  und  Antiochien
zugleich  mit  ein;  also  war  auch  mehr  Betriebsamkeit,  mehr
Partiemachen  und  mehr  Zusammenhalten,  und  überhaupt  um
so  viel  jünger  ein  großer  Theil  dieser  abendländischen  Kirchen
war,  als  der  größere  Theil  der  morgenländischen,  um  so
mehr  mußten  auch  erstere  in  der  ganzen  Entwiklung  ihrer
Verfassungen  zurück  bleiben,  besonders  da  vielleicht  auch  noch
lange  Zeit  mehr  Heidenthum  in  den  abendländischen  Provinzen
  als  im  Orient  war.  .

Sobald  aber  entstandene  Streitigkeiten  theils  einzelnen
Bischoͤfen,  die  sich  der  Sache  vorzuͤglich  annahmen,  entschiedeneres
  Ansehen  verschafften,  theils  Nothwendigkeit  mehrerer
  Synoden  mit  sich  brachten,  und  Alles  im  Occident  zur
Nachahmung  der  orientalischen  Verfassung  reif  genug  war:
so  kamen  auch  da  Metropolitansitze  auf,  und  auch  da  (man
vergleiche  nur  die  Geschichten  von  Rom,  Mayland  und  Aquileja)
  war  alsdann  ewiger  Krieg  zwischen  den  Metropolitanen,
  weil  jeder  nach  und  nach  Herr  des  andern  zu  werden
fuchte,  und  also  auf  jede  Ausübung  seiner  Gewalt  aͤußerst
eifersüchtig  war  ?).

*)  Mosheim  (Instit.  H.  E.  pag.  156.)  giebt  eine  in  vielem  Betracht
  falsche  Vorstellung  von  der  Hierarchie  des  vierten  Jahr--hunderts.
  Da  seine  Geschichte,  wegen  der  historischen  Kunst
und  schönen  Schreibart,  womit  sie  abgefaßt  ist,  wie  bisher,  wohl

Spittler's  sämmtl.  Werke.  I.  Bd.  4.