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und  chalcedon'schen  bei.  Wir  werden  aber  bald  sehen,  wie
ungluͤcklich  er  gerathen  hat,  und  wie  viele  falsche  Meinungen
in  Ansehung  der  ältesien  Kirchen-Verfassung  hiebei  zum
Grund  lagen.

g.  23.

Die  Frage  von  der  Beschaffenheit  der  aͤltesten  Sammlungen
  der  Canonum  muß  also,  weil  bisher  weder  durch
einen  kaiserlichen  Befehl  noch  durch  den  Kanon  einer  oͤkumenischen
  Synode  eine  Gleichförmigkeit  festgesetzt  worden  war,
nach  der  Verschiedenheit  der  Provinzen  beantwortet  werden.
Die  Sammlung  einer  occidentalischen  Kirche  sah  gewiß  anders
  aus,  als  die  Sammlung  einer  morgenländischen  Kirche,
und  auch  die  Sammlung  eines  Galliers  muß  von  der
Sammlung  eines  Italiäners  sehr  verschieden  gewesen  seyn.
Der  Unterschied  war  auch  nicht  nur  wegen  der  Wahl  der
darin  enthaltenen  Stücke,  sondern  die  nehmlichen  Synodalschlüsse
  waren  oft  anders  abgetheilt,  zeichneren  sich  vielleicht
durch  wichtige  Varianten  von  einander  aus,  in  der  einen
waren  z.  B.  die  Namensunterschriften  beigefügt,  in  der  andern
  hinweggelassen.  Freilich  ist  also  nichts  als  Bruchsiück
von  Geschichte  zu  erwarten,  weil  man  von  einzelnen  Provinzen
  nicht  Nachricht  genug  hat,  und  doch  alle  diese  vereinzelte
  Nachrichten  nie  zusammen  mengen  darf.  Aber  sey
es  immerhin  nur  Bruchstiück:  es  ist  doch  zugleich  eine  Art
von  verehrungswürdiger  Reliquie,  daß  damals  noch  kein
Despot  in  der  Christenheit  war,  welcher  seine  Sammlung
allen  hätte  aufdringen  können,  und  gerade  diese  Ungleichförmigkeit
  verschiedener  Prooinzen  ist  der  deutlichste  Bewas
chrer  noch  nicht  ganz  verlornen  Kirchenfreiheit.  Wie  die
Sammlung  der  griechischen  Kirche  ausgesehen  habe,  erzab
sich  einigermaßen  schon  oben  aus  einigen  Stellen  der  Hal-