K.  32.

An  der  chalcedonischen  Synode  hatte  der  rômische  Bischof
  Leo  so  beträchtlichen  Antheil  genommen,  und  sie  war
für  sein  Ansehen  ein  so  glücklicher  Zeitpunkt  gewesen,  daß
ihr  Einfluß  auch  auf  die  occidentalischen  Kirchen  wichtiger
sepn  mußte,  als  der  Einfluß  aller  vorhergehenden  Synoden.
Die  nächste  Wirkung  war  wohl  überhaupt  die  genauere  Bekanntschaft
  mit  der  griechischen  Kirche,  daß  man  jetzt  anfieng,
die  Synodalschlüsse  zu  überselzen,  auf  welchen  die  Verfassung
der  griechischen  Kirche  beruhte,  und  deren  selbst  ja  in  den
chalcedonischen  Akten  so  feierlich  gedacht  worden  war.  Von
den  nicäischen  Schlüssen  muß  es  freilich  schon  lange  vorher
  mancherlei  Uebersetzungen  gegeben  haben;  eine  derselben
ist  vielleicht  gleich  auf  der  Synode  gemacht  und  von  den
Deputirten  mit  nach  Haus  genommen  worden,  denn  sonst
ließe  sich  nicht  wohl  begreisen,  wie  es  hätte  geschehen  können,
  daß  man  bloß  eine  und  eben  dieselbe  Uebersetzung  des
nicäischen  Symbolums  und  der  nicäischen  Schlüsse  zu  Rom
und  in  Afrika  schon  im  Anfang  des  fünften  Jahrhunderts
hatte:  eben  das  Symbolum  Nicsenum,  das  Leo  I.  in
einem  seiner  Schreiben  anführt,  steht  auch  in  afrikanischen
Sypnoden  2);  man  schließt  aber  nicht  ohne  Grund  vom  Sym-%

  In  Conc.  Carthag.  a.  #19.  et  in  Breviario  Ilipponensi.  Cs.
Ballerinior.  dissert.  pag.  LXVI.