120

setzung,  gedenkt  ihrer  so,  daß  sie  damals  zu  Rom  ganz  bekannt
  gewesen  zu  seyn  scheint.  Wenn  man  auch  nicht  aus
der  eigenen  Beifügung  der  chalcedonischen  Schlüsse  wissen
könnte,  daß  sie  in  die  letztere  Hälfte  des  fünften  Jahrhunderts
  gehbre,  so  könnte  man  es  doch  aus  der  Uebersetzung
des  sechsten  nicälschen  Kanons  sehen,  denn  dieser  ist  so  übersetzt,
  daß  man  sieht,  es  waren  zu  des  Verfassers  Zeit  schon
Metropolitansitze  in  Italien,  und  auch  der  Metropolitansprengel
  des  römischen  Bischofs  wird  dort  schon  ad  loca
auburbicaria  eingeschränkt  ).  Werk  eines  Mannes  ist
die  ganze  Uebersetzung  gewiß,  denn  dafür  spricht  ihr  ganzer
Anblick:  es  erscheint  bei  der  Uebersetzung  der  chalcedonischen
Schlüsse  kein  fähigerer  oder  unfähigerer  Kopf  als  bei  den
nicäischen  oder  auchrischen.  Der  kritische  und  kirchenhistorische
  Gebrauch  derselben  wird  zum  Theil  meistens  schon
durch  das  bisher  Gesagte  bestimmt.  Daß  der  Uebersetzer  einen
griechischen  Codex  vor  sich  gehabt  habe,  der  von  allen  uns
bisher  bekaunten  sehr  abgehe,  erhellt  gleich  bei  der  ersten  Vergleichung.
  Nicäische  Schlüsse  stehen  nicht,  wie  sonst  immer,
zuerst:  doch  vielleicht  ist  dieses  eigenmächtige  Veränderung
des  Uebersetzers  selbst,  der  die  bekannten  chronologischen  Anmerkungen
  auch  in  seiner  griechischen  Handschrift  fand,  und
es  für  das  beste  hielt,  ohne  Rücksicht  auf  das  höhere  Ansehen
der  nicäischen  Synode,  die  eigentliche  Zeitordnung  sogleich
wieder  herzustellen.  Laodiceische  und  ephesische  Schlüsse  batte
er  gar  nicht:  in  Ansehung  der  letztern  ist  es  nichts  besonderes,
  denn  auch  der  Verfasser  der  isidorischen  Uebersetzung
und  Dionysius  fanden  sie  nicht  in  ihren  griechischen  Hand-*)

  Der  Uebersetzer  verstund  nehmlich  den  sechsten  canon.,  Nic.  so,
daß  die  Rechte  des  römischen  Bischofs  als  Metropoliten  und
nicht  als  Patriarchen  darin  bestimmt  seven.