136

gesetzt  wird.  Aber  ungeachtet  dieser  Einschraͤnkungen  bleibt
es  doch  immer,  wie  sich  im  folgenden  Abschnitt  zeigen  wird,
einer  der  stärksten  Hauptbeweise  gegen  die  Pseudisidorschen
Dekretalen.  Nur  hat  man  sich  zu  hüten,  ihm  nicht  mehr
Stärke  geben  zu  wollen,  als  er  nach  der  Wahrheit  haben
kann.  Aus  dieser  Quelle  entsprang  wohl  die  Hyppothese,
Dionysius  habe  die  päbsilichen  Schreiben  aus  dem  romischen
Kirchenarchiv  genommen.  Historisches  Zeugniß  eines  Alten
für  diese  Meinung  ist  bisher  nicht  bekannt  worden:  in  der
Natur  der  Sache  selbst  liegt  nichts,  das  uns  hiezu  zwänge
oder  dieselbe  auch  nur  vorzüglicher  wahrscheinlich  machte;
vielmehr  hat  diese  Hypothese  immer  gegen  sich,  daß  so  viele
unstreitig  ächte  Schreiben  rdmischer  Bischöfe  bei  Dionysius
fehlen  ?),  die  er  sonst  angetroffen  haben  müßte,  wenn  er
Zutritt  zum  Archiv  gehabt  hätte,  und  was  noch  beweisender
zu  seyn  scheint,  —  denn  in  Vcziehung  auf  die  erste  Einwendung
  läßt  sich  immer  die  Frage  aufwerfen:  hat  Dionpysius
Alles  gesammelt,  was  er  aufzutreiben  vermochte,  oder  waren
es  gewisse  Absichten,  warum  er  nur  gewisse  Briefe  sammelte
und  andere  ausschloß  ?7  konnten  denn  alle  Schreiben  roͤmischer

*?  Nonne  vel  in  solo  Leonc  plures  maximi  momenti  Epistolz
ad  disciplinam  pertinenles  ab  eo  omissee  luerunt,  nimirum
Epist.  1.  ad.  Aquilesensem  Episcopum,  nona  ad  Dioscorum,
decima  ad  Viennenses,  duodecima  ad  Alricanos,  decima
duinta  ad  Turribium,  decima  nona  ad  Donum  Bencventanum,
  CVIII.  ad  Theodorom  Forojulionsem,  CXIX  ad  Nlazimum
  Antiochenum,  Cl.XVI  ad  Neonem  Ravennstem,  et
CLXVIII  ed  Episcopos  Campaniæ.  Quid  quod  in  Epislola
CLXVII  ad  Rusticum  Narbonensem,  duam  descripsit,  ob
titulos  cuique  capiti  ab  eo  præsixos  pralermissee  lueruntgipsius
  Ruslici  induisitiones,  qus  ad  probe  inielligenda  Leonis
responsa  necessaria  sunt.  Bollerinior.  Diss.  Pag.  179.