142

welche  auf  der  constantinoplischen  Synode  im  Jahr  692
gleichsam,  als  etwas  Bekanntes  aus  der  Kanonensammlung
angefuͤhrt  werden,  waren  wahrscheinlich  nirgends  anders  her,
als  aus  Dionysius  übersetzt.  Der  Verfasser  der  spanischen
Sammlungl,  welche  in  den  Anfang  des  siebenten  Jahrhunderts
  hinaufsteigt,  nahm  alle  rdmischen  Dekretalen  aus  Dionysius:
  Cresconius,  ein  afrikanischer  Bischof,  der  zu  Ende
des  siebenten  Jahrhunderts  lebte,  hatte  bei  seiner  concordia
eanonum  nichts  als  die  Sammlung  des  Dionysius  vor

hin  gebracht  worden  sey.  Aber  auch  alles  eingerdumt,  was  Herr
R.  fodern  kann,  so  folgt  doch  aus  diesen  Prämissen  der  oben
ausgedrückte  Satz  noch  nicht:  was  anders  kann  Resultat  der  zugegebenen
  Prämissen  sepn,  als  daß  Dionysius  vor  Hadrian's  Zeiten
  nicht  in  das  fränkische  Reich,  so  weit  es  Bonifacius
  kannte  und  bereiste,  gekommen  sey.  Warum  aber
nicht  nach  Afrika?  Nicht  in  die  morgenländischen  Provinzen?
Warum  nicht  in  die  Kirchen  des  fränkischen  Reichs,  die  Bonifacius
  nicht  kennen  gelernt  hatte?  Die  stärksten  Beweise  der
Allgemeinheit  der  Ausbreitung  der  dionpsischen  Sammlung  blelben
  bei  obiger  ganzen  Argumentation  unberührt.

a)  Zu  Ende  des  ssebenten  Jahrhunderts  war  die  dionysische
Sammlung  gewiß  schon  in  Afrika  bekannt,  denn  des  damals
lebenden  afrikanischen  Bischofs  Cresconik  Sammlung  ist  ja
nichts  anderes,  als  Sammlung  des  Dionpsius,  nach  Materien
geordnet.

2)  Man  hat  sehr  alte  Handschriften  gefunden  von  Sammlungen
kirchlicher  Dokumente,  in  welchen  nichts  als  Aktenstücke  der
fränkischen  Kirche  enthalten  sind,  die  also  höchst  wahrscheinlich
im  fränkischen  Reich  gemacht  wurden;  und  mitten  unter  diesen
  Mtenstucken  steht  auch  Dionpffus  Sammlung.

3)  Man  hat  ferner  abbreviationes  canonum  und  Pönitentialbucher
  gefunden,  welche  ganz  gewiß  zu  fränkischen  Kirchen  gehörten,
  und  an  den  untrüglichsten  Kennzeichen  ein  höheres
Zeitalter  als  das  Karolingische  verrathen,  doch  aber  hie  und
da  Canones  nach  Dionysius  Uebersetzung  enthalten.