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venna,  oder  was  oft  am  meisten  zu  helfen  schien,  durch
blinde  Dreistigkeit  weit  außer  den  Graͤnzen  der  Macht  seiner
Vorfahren  sich  hervorzudraͤngen;  aber  so  weit  er  hervordrang,
so  sehr  wurde  oͤfters  einer  seiner  Nachfolger  auf's  neue  weitt
innerhalb  dieselbe  zuruͤckgeworfen.  Der  ganze  Zeitraum  bis
auf  Karln  den  Großen  stellt  demnach  zwar  hie  und  da  manche
große  Phaͤnomene  dar,  aber  es  war  noch  kein  systematisch
gegründeter  Dominat.

Die  rmische  Kirche  war  unstreitig  apostolischen  Ursprungs,
  wenigstens  waren  Petrus  und  Paulus  lange  Zeit
ihre  Lehrer.  Alles,  was  sonst  zur  Größe  einer  Kirche  und
zum  höhern  hierarchischen  Nang  beitragen  konnte,  war  in
dem  Bischof  von  Rom  auf  das  vollkommenste  vereinigt.
Name  der  ersten  Lehrer;  Reichthum  und  politische  Größe
der  Stadt  seines  Bischofsitzes  in  so  vorzüglichem  Grad,  wie
fast  bei  keinem  andern;  schönere  Gelegenheit  im  Occident
den  ersien  zu  spielen,  als  im  Orient,  wo  so  viele  der  mächtigen
  Bischöfe  einander  so  nahe  waren;  frühe  Versuche,  zwar
bisweilen  mißlungene,  wie  z.  B.  bei  Bischof  Viktor,  aber  doch
immer  gemachte  Versuche,  andern  seines  gleichen  Gesetze  vorzuschreiben;
  listige  Benützung  der  wechselweisen  Eifersucht
zwischen  den  Patriarchen  des  Orients,  und  Nothwendigkeit
der  letztern,  bei  entstandenen  Streitigkeiten  so  viel  mdglich
des  Beifalls  des  rdmischen  Bischofs  sich  zu  versichern.

Bei  einem  so  angesehenen  und  nach  allem  Betracht  so
wichtigen  Bischof  mußten,  wie  leicht  zu  erachten,  haͤufige
Anfragen  geschehen,  und  besonders  war  er  Orakel  des  Occidents.
  Die  Aufrage  geschah  aber,  wie  es  scheint,  doch
immer  viel  mehr  bei  der  Kirche,  als  bei  dem  Bischof  allein;
denn  die  ältesten  Dekretalen  zeigen  deutliche  Spuren,  daß
sie  nicht  Schreiben  vom  Bischof  allein  seyen,  sondern
Schreiben  einer  roͤmischen  Synode,  vom  Bischof  und  unter

Spittler's  saͤmmtl.  Werke.  I.  Bd.  10