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eine  Art  eigennütziger  Gefälligkeit,  womit  man  oft  auch  in
entfernten  Provinzen  die  Schreiben  des  rdmischen  Bischofs
annahm.  Man  darf  es  sich  deswegen  nicht  befremden  lassen,
wenn  z.  B.  auf  der  Synode  zu  Braga  im  Jahr  565,  da
wegen  des  endlich  überwältigten  Arianismus  eine  Art  allgemeiner
  Kirchen-Reformation  vorgenommen  werden  sollte,  mit
den  Kanonen  der  allgemeinen  und  Provincialconcilien  auch
Decretalen  rmischer  Bischdse  verlesen  wurden  *).  Es  waren
ein  paar,  gerade  an  die  Gallicische  und  besonders  an  die
Bragische  Kirchen  gerichtete  Schreiben,  und  weil  man  in
solchen  Fällen,  besonders  wo  es,  wie  hier,  zugleich  auf  Festsetzung
  der  Orthodoric  ankam,  Alles  aus  den  Kirchen.  Archiven
hervorsuchte,  so  wurden  auch  ein  paar  Schreiben,  eines  von
Leo  und  das  andere  von  Vigilius,  als  Richtschnur  der  nun
zu  unternehmenden  Kirchenreinigung  öffentlich  verlesen.  Cirrulirten
  nun  die  Schreiben  der  rômischen  Bischdfe  schon  noch
als  vereinzelt,  wie  viel  leichter  war  ihre  Ausbreitung  in
Sammlungen,  und  wie  sehr  mußte  eben  diese  Ausbreitung
dadurch  beschleunigt  werden,  wenn  die  gemachte  Sammlung
die  nöthigen  Vortheile  der  Deutlichkeit,  Ordnung  und  Vollständigkeir
  hatte.  Das  war  gerade  der  Fall  mit  Dionysens
Sammlung.  Er  war  zwar  wahrscheinlich  nicht  der  erste,
welcher  Dekretalen  rdmischer  Bischdfe  sammelte:  aber  er  war
doch  unter  allen  bisherigen  Sammlern  derjenige,  welcher  sie
mit  dem  vollsiändigsten,  geordnetsien  und  deutlichsien  codice
canonum  verhand,  bei  seiner  Sammlung  recht  eigentlich
vorzüglich  auf  Kirchendisciplin  seine  Rücksicht  zu  nehmen
schien,  und  den  Gehrauch  derselben  durch  genaue  chronologische
  Ordnung,  brauchbarc  tabulae  titulorum  und  gute

*)  Was  man  von  dieser  Synode  hat,  findet  sich  in  Mansi  Cono
Tom.  IX.  col.  773  —  16b0.