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zugleich  erbittert  auf  ihren  König  Desiderius,  daß  er  die
Piinzen  seines  verstorbenen  Bruders  Karimanns  aufgenommen
  habe;  Karl  eilte  im  Jahr  774  mit  einer  Armee  tach
Iralien,  belagerte  die  Residenz  Papia,  und  gieng,  da  es
sich  mit  der  Eroberung  so  lange  verzog,  während  den  Ostertagen
  nach  Rom.  Adrian  der  I.,  welcher  damals  auf  dem
Stuhl  saß  und  die  Macht  des  fränkischen  Königs  zu  schätzen
wußte,  ließ  es  an  den  ausgesuchtesten  Ehrenbezeugungen
nicht  sehlen,  und  unter  anderem  machte  er  ihm  auch  einen
codicem  canonum  zum  Geschenk  2).  Nach  dem  Geist
unserer  JZeiten  findet  man  dieses  vielleicht  sehr  sonderbar;
ein  ansehnliches  don  gratuit  hätte  schicklichere  und  reellere
Devotions-Bezeugung  scheinen  können,  aber  für  Karln  war
doch  dieses  Geschenk  recht  treffend  angenehm,  für  ihn,  der
sich  nicht  allein  der  Kirchensachen  außerordentlich  annahm,
sondern  auch  vorzüglich  die  Einrichkungen  der  ddmischen
Kirche  so  lieb  gewann,  daß  er  seine  Gallischen  Kirchen  in
Bielem  nach  denselben  reformirte.  Man  kann  leicht  vermuthen,
  wie  sehr  sich  ein  solcher  Codex  canonum  von
der  Hand  eines  Königs,  der  Karl's  Macht  und  Karl's
Thätigkeit  hatte,  in  dem  ganzen  Reich  ausbreiten  mußte;
und  wenn  nur  nicht  überhaupt  erst  Wissenschaft  und  Liebe
zu  Wissenschaften  durch  ihn  hätte  müssen  aufgeweckt  werden,
sondern  seine  Minister  und  Prälaten  eben  so  eifrig  für
dieselbe  gewesen  wären,  als  er  selbst,  so  müßte  sich  eine
solche  Kanonen-Sammlung,  die  der  rdmische  Bischof  hier

*)  Daß  diese  ganze  Geschichte  in  diese  Zeiten  gehöre,  erhellt  aus
Adrian's  eigenen  Worten  in  dem  Schreiben  vor  dem  cocice
Canonum:  „lllaesus  cum  tuis  victor  manebis,  nempe  per
ipsos  (Petrum  et  Paulum)  qui  aditum  petunt  urbis  Papiae
te  ingredi  viciorem,  nefa  perlidi  regis  calcabis  Desiderü
colla.“