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gleichsam  für  vollkommen  gültige  Regel  der  Kirchen-Einrichtung
  zu  erklären  schien,  noch  viel  allgemeiner,  und  mit  noch
merkbarerem  Einfluß  auf  die  ganze  Disciplin  ausgebreitet
haben.  Welch'  unüberwindliches  Hinderniß  wäre  alsdenn  der
Ausbreitung  der  Pseudisidor'schen  Dekretalen  zum  voraus
entgegen  gestellt  gewesen!  Aber  war  es  denn  gewiß  Dionysens
  Sammlung,  die  Hadrian  Karln  zum  Geschenk  machte?
und  wenn  sie  es  war,  wie  sah  sie  damals  aus?

.  45.

Ueber  dem  erstern  hat  man  lange  gestritten  “).  Einige
gaben  die  Epitome  canonum,  welche  bei  Canisius  abgedruckt
  ist  3#),  für  den  geschenkten  codicem  canonum  aus;
aber  eine  Epitome  canonum  ist  kein  Codex  canonum,
und  einen  codicem  canonum  hat  Hadrian  Karln  geschenkt.

Andere  verfielen  auf  die  Hypothese,  der  roͤmische  Bischof
habe  für  den  fränkischen  Koͤnig  einen  eigenen  gesammelt;
das  historische  Zeugniß,  womit  sie  erwiesen  werden  sollte,
blieb  aber  zurück,  und  es  wäre  um  so  nothwendiger  gewesen,
  da  die  Hypothese  den  ganzen  Zusammenhang  der
damaligen  Geschichte  gegen  sich  hat.  Denn  der  für  roͤmische
Kirchengebräuche  außerst  eingenommene  Kduig  verlangte  nur
das,  was  damals  in  der  rdmischen  Kirche  gebräuchlich  war;
also  nur  der  damals  gangbare  Codex  canonum  Romanse
Ecclesiae,  also  nur  der  dionysische  konnre  ihm  ein  angenehmes
  Geschenk  seyn.  Ueberdieß  war  Sammlung  eines
neuen  codicis  cenonum  damals  kein  Werk  etlicher  Tage,

*  D.  Jo.  Christ.  Rudolph  nova  commentatio  de  codice  canonum,
duem  Hadrianus  1.  P.  R.  Carolo  M.  dono  dedit.  Erlangae
1777.  8.  ·

")Loction·antiquak.«1’om.ll·pag.:66.-qq.eck.J-c·3ssnagii.