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g.  65.

Ein  wenig  juͤnger,  als  Ferrand,  ist  Bischof  Martin
von  Braga  in  Portugal.  Aus  Pannonien  gebürtig,  wie
Gregor  von  Tours  ?)  bezeugt.  Er  reiste  in  den  Orient,
machte  sich  dort  mit  griechischer  Gelehrsamkeit  und  Kirchenverfassung
  bekannt,  kam  aus  dem  Orient  nach  Gallicien,
reformirte  dort  die  arianischen  Sueven,  baute  Klbsier  daselbst,
  und  wurde  selbst  Abt  eines  Klosters,  endlich  Erzbischof
  zu  Braga,  in  welcher  Würde  er  auf  der  Synode
zu  Braga  im  Jahr  5)02  präsidirte.  Von  seinen  Schriften
gehdrt  nichts  hieher,  als  seine  collectio  canonum  vel  capituloram
  LXXXIVI/99).  Sie  theilt  sich  in  zwei  Abschnitte.
Die  ersteren  68  copitula  betreffen  bloß  den  Klerus,  die
letzteren  16  die  Layen.  Nach  dem  voranstehenden  Schreiben
an  Bischof  Nitigesius  von  Lugo  (Lucensis)  sollte  man
vermuthen,  alle  diese  capitula  seyen  aus  griechischen  Synoden
  ercerpirt,  und  Martin  habe  gesucht,  theils  durch  genaucre,
  theils  durch  deutlichere  Uebersetzungen  den  Fehlern
der  damals  gebräuchlichen  Version  abzuhelfen.  Aber  die
Vergleichung  selbst  verräth  nicht  undeutlich,  daß  auch  ursprünglich
  lateinische,  z.  B.  karthagische,  toledische  darunter
sepen.  Die  Vergleichung  ist  zwar  sehr  schwer  anzusiellen,
denn  Martin  selbst  hat  nicht  bemerkt,  woher  er  jedes  capitolum
  genommen  habe.  Wie  sehr  sehen  sich  nun  nicht

)  Hist.  Francor.  L.  V.  c.  39.7

**)  Ausgaben  derfelben  Bibl.  jur.  can.  vet.  T.  I.  oppend.  pog.  7.
Lopez  de  Barrera  exercitatio  historica  de  antiquo  codice
canonum  Ecclesiae  Hipanae,  Romae  1758.  4,  hat  die  capitula
  Martini  ein  wenig  korrekter  als  Justell.  Sonst  stehen  sie
in  den  meisten  allgemeinen  Conciliensammlungen,  in  der  Mansischen
  Tom.  IX.  col.  346  —  860.