195

gehabt,  wenn  er  ihn  nicht  bistorisch  schon  vor  sich  gesunden
Hätte.

P.  57.

Cenni  in  seinem  Buch  de  antiquit.  Eccl.  Hisp.  hat
in  die  ohnedieß  so  dunkle  Geschichte  der  isidor'schen  Kanonensammlung
  neue  Verwirrungen  und  neue  Zweifel  eingemischt.
Er  giebt  zu,  daß  Isidor  eine  Kanonensammlung  veranstaltet
babe,  aber  die  biöher  gedachte  soll  es  nicht  seyn,  sondern
eine,  deren  ersie  Entdeckung  er  sich  zuzuschreiben  scheint.
Man  sieht  bei  genauerer  Prüfung,  daß  seine  neue  Entdeckung
nichts  anderes  ist,  als  der  indiculus  canonum,  den  schon
Aguirre  0)  in  seiner  spanischen  Conciliensammlung  abdrucken
ließ,  freilich  mit  der  willkührlichen  und  so  leicht  zum  Irrthum
  verleitenden  Inschrift:  Index  sacrorum  canonum,
duibus  Ecclesia;  pPraesertim  Hiepanica,  regebatur  ab
ineunte  sexto  seculo  usquc  ad  initium  octavi.  Man
hat  aber  diesen  Titel  bisher  in  keiner  Handschrift  gefunden,
er  bleibt  also  bloße  Privat-Meinung  des  Herausgebers.
Cenni  sah  wohl,  daß  das  Werk,  wie  wir's  jetzt  haben,  unmoglich
  von  Isidor  seyn  könne,  weil  viele  Stöcke  darin  enthalten
  sind,  deren  Eristenz  Isidor  gewiß  nicht  erlebt  hat:
er  schränkte  also  seine  Meinung  wenigstens  auf  die  erste
Ausgabe  desselben  ein;  aber  was  kaun  man  nicht  Alles  erdichten,
  wenn  man  sich  bloßen  Muthmaßungen  überlassen
will?  Keine  einzige  Handschrift,  kein  einziger  Alter,  dessen
Zeugniß  nach  seinen  äußern  Umständen  gültig  seyn  könnte,  schreibt
diesen  indiculus  canonum  dem  Bischof  Isidor  von  Sevilla
zu;  innere  Kennzeichen  sind  ganz  keine  da,  und  wie  geradezu
ist  es  nicht  gegen  alle  Analogie  der  Geschichte  des  kanoni-"“

  Vol.  I.  Cap.  III.  Manei  Tom.  VIII.  Col.  11579.  etc.
15