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sobald  sie  etwa  in  weitere  Ausuͤbung  sollten  gebracht  werden,
die  ganze  Kirchenverfassung  wuͤrde  darunter  leiden  muͤssen.
Hinkmar,  Erzbischof  von  Rheims,  einer  der  verstaͤndigsten
und  gelehrtesten  Praͤlaten  in  Westfrankreich,  hatte  unter  der
Regierung  Karl's  des  Kahlen  verschiedene  wichtige  Streitigkeiten
  *),  nicht  nur  dogmatische,  z.  B.  wegen  Gottschalk,
sondern  auch  solche,  welche  die  Regierung  der  ganzen  Kirche
und  das  persoͤnliche  Juteresse  gewisser  angesebenen  Bischoͤfe
betrafen.  Unter  den  damaligen  Umstaͤnden,  wo  bald  diese,
bald  jene  Partie  den  Hof  auf  ihre  Seite  zog,  und  der  Hof
die  Gnade  des  roͤmischen  Stuhls  ungern  verscherzte,  wurde
ein  sehr  geschmeidiger  Mann  erfordert,  der  seine  Rechte  behaupten
  und  doch  die  nbthige  Gefälligkeit  gegen  den  Regenten
  und  gegen  den  Pabsi  haben  mußte.  Es  fehlte  auch
Hinkmarn  gar  nicht  an  der  nöthigen  Kunst  einer  klugen
Entschlossenheit  und  eines  verständigen  Nachgebens:  aber  der
Gegner  waren  zu  viele,  die  Angriffe  zu  wiederholt,  die  Umstände
  zu  ungünstig,  als  daß  er  die  Rechte  seiner  Kirche
ganz  unverletzt  hätte  schützen  können.  Sein  Amtsvorfahre
im  Erzbisthum  war  Ebbo,  der  sich  durch  Theilnehmung  an
der  Empdrung  der  Söhne  des  frommen  Ludwig's  und  an
der  Mißhandlung  des  letztern  seiner  Würde  verlustig  gemacht
hatte.  Hinkmar  wurde  mit  der  größten  Uebereinstimmung
gewählr,  denn  fast  zehen  Jahre  nach  Ebbo's  Entsetzung  war
die  Kirche  ohne  Erzbischof  geblieben,  man  war  also  sehr
vergnügt,  daß  sich  König  Karl  entschloß,  die  Kirchengüter

e)  Die  ganze  Geschichte  aller  seiner  verschiedenen  Streitigkeiten  hat
in  der  Kürze  am  besten  erzählt  Dupin  Bibl.  des  auteurs  ecclesiest.
  Tom.  VII.  Chap.  II.  —  VI.  Sie  traͤgt  in  ihrem  ganzen
Zusammenhang  übersehen  zur  Erläuterung  der  Geschichte  der  pseudissdor'schen
  Dekretalen  sehr  viel  bei.  «

Spittler's  simmtl.  Werke.  I.  Band.  16