278

stimmte  den  schon  vorher  gelinden  Ton  der  Kirchendisciplin
auf  einen  noch  gelindern  herab,  und  so  sehr  sein  Name  auch
von  den  roͤmischen  Bischoͤfen  verwuͤnscht  war,  die  den  Titel
dkumenischer  Patriarch  nicht  verstunden,  so  veranlaßte
doch  eben  diese  seine  Schrift  eine  der  wichtigsten  Veränderungen
  der  occidentalischen  Kirchendisciplin.

Ein  griechischer  Mönch  Theodor,  der  ungefähr  hundert
Jahre  nach  dem  Patriarch  Johann  lebte,  genießt  durch  Unterstützung
  des  römischen  Bischofs  das  unerwartete  Glück,
Erzbischof  von  Canterbury  zu  werden.  Mit  der  Verfassung
der  griechischen  Kirche  sehr  wohl  bekannt,  suchte  er  manche
Anstalten  derselben  auch  in  der  lateinischen  gangbar  zu  machen,
  und  vorzüglich  das  Pönitenzwesen  auf  einen  regelmäßigern
  Fuß  einzurichten.  Es  schien  an  Vorschriften  zu  feblen;
er  machte  einige  derselben,  und  Johann's  Gelindigkeit  scheint
er  sich  zum  Muster  genommen  zu  haben,  wenn  er  nicht  anders
  das  ganze  Pöônitentialbuch  desselben  bloß  übersetzt  hat  2).

das  poenitentiale  nach  seinem  Bedurfniß  bald  erweiterk,
bald  in  das  Kurze  gezogen  zu  haben.  Die  Verschiedenheit  der
Aufschrist  der  Codd.  hat  auch  manche  irre  gemacht,  ob  nicht
Aufsätze  zweier  verschiedenen  Männer  einem  zugeschrieben  würden.
  Bei  einigen  Fragmenten  steht  Johannes  Jejunator,  bei
andern  Johannes  Monachus  flius  obedientiae.  Leo  Allatius
de  consensu  utriusque  Eccl.  L..  III.  c.  17.  S.  10.)  und  Fabricius
  (Bibl.  Gr.  Tom.  V.  pag.  165.)  hielten  diese  zwei  Namen
  für  Namen  zweier  verschiedenen  Männer;  sse  sind  aber  gewiß
  Namen  eines  Mannes,  unterscheiden  sich  nur  wie  Braschi
und  Pius  VI.  Cf.  Assemenm  Bibl.  jur.  civ.  et  con.  Or.  Vol.
III.  pag.  523  —  337.

*)  Mit  Theodor's  poenitentiale  ist  der  Fall  fast  eben  so,  wie  mit
Johann's.  Jak.  Petit  gab  zwar  zu  Paris  in  zwei  Quartbänden
heraus,  was  er  unter  diesem  Namen  auftreiben  konnte,  auch
Dacheri  machte  in  seinem  Spicilegio  (Tom.  9.  pog.  52.)  eine