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sten  Witz  erdachte  der  Klerus  neue  Suͤndentitel,  machte
zum  Verbrechen,  was  hoͤchstens  unartige  Sitte  war  5),  tarirte
  die  Verbrechen  auf  cine  außerordentlich  große  Menge
von  Fastjahren  oder  auf  eine  ebenso  ungeheure  Anzahl  von
Plalmen,  welche  abgesungen  werden  sollten.  Zugleich  wurde
die  Wahl  aufgethan,  ganze  Jahrzehende,  die  man  hätte
fasten  sollen,  mit  wenigem  Geld  abzukaufen,  und  der  Laie
hatte  endlich  nicht  einmal  die  Wahl  zwischen  Fasien  und
Geldgeben;  denn  wenn  ihm  sein  Priester  in  der  Beichte  zusammenrechnete,
  wic  lange  Jeit  er  für  die  gebeichtete  Sünden
  fasten  müsse,  so  kamen  oft  so  viel  Jahre  heraus,  daß
Methusala's  Lebensalter  nicht  hingereicht  haben  würde,  und

*)  Morin  (de  Sacrem.  poenit.  t.  X.  c.  18.  §.  5.)  führt  ein  Beispiel
  an,  das  statt  aller  beweisen  wird,  was  man  damals  den
Beichtkindern  zur  Sünde  gemacht  habe,  um  viele  und  große
Summen  auf  das  Kerbholz  zeichnen  zu  können.  Die  Chronik
des  berühmten  normännischen  Klosters  Bec  erzählt  nehmlich  bei
dem  Jahr  1089  folgende  Geschichte.  Eine  fromme  vernehme
Damc,  die  im  Geruch  der  Heiligkeit  gestorben  war,  erschien  nach
dem  Tode  einem  Mönch,  und  jammerte  über  ihr  voriges  Leben
auf  Erden.  Sie  habe  die  Schooßhundchen  in  ihrem  Leben  gar
zu  lieb  gehabt  und  an  manchen  andern  Dingen  eine  Freude  bezeugt,
  welche  sonst  von  den  Menschen  gar  nicht  geachtet  werden.
Jetzt  muͤsse  sie  es  entgelten,  denn  nun  müsse  sie  noch  sechzig
Jahre  Buße  thun.  So  eine  Stimme,  noch  jenseit  des  Grabes
herüber,  gab  dem  Geisilichen  das  Recht,  auch  scheinbare  Kleinigkeiten
  sehr  hoch  zü  tariren,  und  das  Beichtkind,  dem  seine  Ruhe
nach  dem  Tode  lieb  war,  gestund  alles,  was  es  wußte,  besonders
  wenn  noch  solche  Vislonen  hinzukamen,  wie  diejenige  war,
welche  den  Abt  Odilo  von  Clugny  zu  Stifstung  des  Festes  aller
Seelen  veranlaßte.  Er  befand  sich  nehmlich  einst  in  der  Nähe
des  Berges  Aetna,  und  hörte  da  die  abgeschiedene  Seelen  jämmerlich
  schreien  und  um  Errettung  aus  dem  Fegfeuer  slehen.