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trage,  und  wie  durch  solche  Sammlungen,  welche  alsdenn
oft  bei  Kloster=  und  Stiftsschulen  häufig  gebraucht  wurden,
endlich  gewisse  Meinungen  so  als  allgemeiner  Menschenverstand
  gangbar  gemacht  werden  konmen,  daß  Niemand  mehr
auch  nur  auf  den  Gedanken  eines  Zweifels  gerieth.  Wie  viel
besser  kannte  Kaiser  Ludwig  der  Baier  den  Gang  der  Welt
als  Heinrich  IV.  Man  hat  kein  Beispiel,  daß  Heinrich  IV.
einen  Schriftsteller  aufgemuntert  hätte,  seine  Sache  zu  vertheidigen,
  daß  er  Schriften  hätte  aufsetzen  lassen,  die  ohne
gerade  unmittelbar  von  seinen  Geschichten  mit  den  Pöäbsten
zu  handeln,  doch  den  Gesinnungen  seiner  Zeitgenossen  nach
und  nach  eine  solche  Richtung  gegeben  hätten,  welche  seinen
Rechten  vortheilhaft  geworden  wäre.  Ludwig  der  Baier
nahm  die  Männer  an  seinen  Hof,  die  für  ihn  schrieben:  es
waren  nicht  bloß  lokale  Streitschriften,  wodurch  sie  dem
Kaiser  nätzlich  wurden,  sondern  geflissentliche  Entwicklungen
der  beiderseitigen  Rechte,  Abhandlungen  über  Fundamental-Lehren
  des  Kirchenrechts,  durch  ihre  vorher  schon  gewisse
Partie  alsdenn  sogleich  in  weitere  Circulation  gebracht.  Es
scheint,  die  Könige  mußten  erst  aus  Erfahrung  lernen,  daß
der  Mann  mit  der  Feder  auch  für  sie  etwas  zu  bedeuten
hat,  und  daß  sich  nicht  alles  in  der  Welt  mit  Gewalt  der
Waffen  zwingen  läßt.

Die  erste  dieser  kanonistischen  Sammlungen  der  zweiten
Hälfte  des  eilsften  Jahrhunderts  ist  Kardinal  Anselm's-  Collection.
  Ihre  Beschreibung  muß  aus  der  Ballerinischen  Abhandlung
  genommen  werden,  weil  sie  noch  ungedruckt  ist,
und  doch  unter  allen  Sammlungen  den  größten  Einfluß  auf
Gratian's  Dekret  hatte.

K.  16.

Anselm  wurde  schon  im  Jahr  1071  von  Alerander  II.
zum  Bisthum  Lucca  befordert,  gieng  aber,  weil  er  über  die